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Overnight Report von den Scientific Sessions der American Heart Association 2006


CHICAGO, 15. November 2006

Die Fakten sprechen gegen interventionelle Therapieversuche

Späte Reperfusion nützt auf Dauer nichts

Nicht nur viele Hausärzte, auch interventionelle Kardiologen tendieren dazu, eine perkutane Revaskulisierung selbst dann noch zu versuchen, wenn die dafür empfohlenen zwölf Stunden nach dem Ereignis verstrichen sind. Eine an den Scientific Sessions der American Heart Association 2006 vorgestellte Studie zeigt jetzt: der davon erhoffte langfristige Vorteil bleibt auch bei Wiedereröffnung Wunschdenken.

Die bislang grösste und am längsten dauernde Studie zum Nutzen einer späten Reperfusion, die OAT1-Studie, zerstört Hoffnungen für jene, die zu spät ins Spital kommen. Andererseits könnte sie zukünftig unnötige Eingriffe und Kosten vermeiden. „Wir wollten die kontroverse Diskussion um die Vorteile einer späten Reperfusion bei klinisch stabilen Patienten nach Herzinfarkt um harte Fakten bereichern“, so Professor Dr. Judith S. Hochman, New York, USA. „OAT testete die Hypothese, dass eine perkutane Intervention mit Stent bei vollständigem Gefässverschluss der alleinigen medikamentösen Therapie auch nach drei bis 28 Tagen noch überlegen ist.“

Ungefähr ein Drittel der für eine Reperfusion qualifizierenden Patienten kommt entweder zu spät ins Spital oder erhält die empfohlene Intervention aus anderen Gründen nicht innerhalb des empfohlenen Zeitfensters von zwölf bis 36 Stunden. Die randomisierte kontrollierte OAT-Studie mit 2166 Patienten zeigte nach drei Jahren keinen statistisch signifikanten Unterschied hinsichtlich Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Tod, wenn in diesen Fällen dennoch eine Intervention erfolgte.

Doch nicht nur das: Beunruhigend war der beobachtete Trend zu häufigeren Reinfarkten. Auch waren die Infarktmarker in der Interventionsgruppe signifikant häufiger erhöht. „Wenn die Erhöhung der Reinfarktrate auch nicht signifikant war, so fand sie sich doch in allen Untergruppen, auch bei Patienten mit niedriger Auswurffraktion“, betonte Prof. Hochman. „Dies muss unbedingt weiter untersucht werden.“

Könnte eine Arterie, die verschlossen ist und bleibt, letztendlich sicherer sein als eine, die wieder eröffnet wird und sich deshalb eben auch wieder verschliessen kann – mit der Folge eines weiteren Infarktes? OAT wirft diverse Fragen auf, aber sicher ist: Eine frühe Behandlung innerhalb des empfohlenen Zeitraums bleibt die entscheidende Massnahme bei Infarktpatienten. Deshalb gilt: So schnell wie möglich ins Spital. kg

1Occluded Artery Trial





 
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