Overnight Report von den Scientific Sessions der American Heart Association 2006
CHICAGO, 15. November 2006
Fatale Arrhythmien durch emotionale Aufruhr
Rasende Wut bringt auch das Herz aus der Fassung
Bloss nicht aufregen – bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung könnte Gelassenheit in der Tat lebensrettend sein. An den Scientific Sessions der American Heart Association 2006 wurden Ergebnisse von Patienten mit implantierten Defibrillatoren vorgestellt, die Training in besserer Selbstbeherrschung als wichtige sekundäre Präventionsmassnahme nahelegen.
In der Trigger of Ventricular Arrhytmia-Studie wurde früheren Studienergebnissen nachgegangen, die darauf hingewiesen hatten, dass Wut und Aufregung die elektrischen Eigenschaften des Herzens verändern und es empfindlicher machen für gefährliche Rhythmusstörungen. Eine prospektive Untersuchung an 1188 Patienten mit implantierten Defibrillatoren erlaubte es, deren subjektiv empfundenen und berichteten Ärger mit den aufgezeichneten Arrhythmien bzw. Entladungen in Beziehung zu setzen.
„Bei diesen Patienten war das Empfinden von mittlerem bis starkem Ärger mit einem erhöhten Risiko für ventrikuläre Tachkardien oder Kammerflimmern verbunden“, berichtete Dr. Christine Albert, Harvard Medical School, Boston. „Dies führte dann zur Auslösung eines Elektroschocks durch den Defibrillator.“ Offensichtlich wirkt Ärger vor allem auf die T-Wellenphase ein.
Das Risiko für eine Entladung war nach der Empfindung von moderatem Ärger während einer Stunde lang erhöht – bei grosser Wut oder Rage war die Gefahr noch grösser. Ausserdem waren Patienten mit einer Auswurffraktion des linken Ventrikels von weniger als 30%, einer Implantation des Defibrillators während der letzten sechs Monate oder einer Anamnese vorhergehender Entladungen stärker gefährdet.
„Ein Elektroschock ist schmerzhaft“, sagte Dr. Albert. „Verschiedene Patienten empfinden dies unterschiedlich stark. Für manche ist es eine grauenhafte Erfahrung, für andere weniger schlimm. In jedem Fall ist es etwas, was Patienten möglichst vermeiden möchten. Als Ärzte möchten wir Rhythmusstörungen generell vermeiden. Dazu müssen wir zuerst wissen, was sie auslöst.“
Hier könnte also der Schlüssel liegen, die Patienten zu besserem Selbstmanagement anzuhalten. „Immer schön ruhig bleiben“ ist ein guter Rat, besser wäre, ihnen ganz konkret gezielte Entspannungstechniken beizubringen. kg
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