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Overnight Reports vom 70. Jahreskongress des American College of Rheumatology (ACR)


WASHINGTON, 13. November 2006

Neue Indikation für Nervengift?

Botox statt Knieprothese

Intraartikuläre Injektionen mit Botulinumtoxin könnten eine neue Therapieoption bei schwerer Gonarthrose werden, berichtete Professor Dr. Maren Mahowald von der Universität Minnesota in Minneapolis am 70. Jahrestreffen des American College of Rheumatology.

Bekannt ist Botulinumtoxin für seine Wirkung als selektiver Hemmer der Acetylcholinausschüttung an cholinergen Synapsen. Der Wirkmechanismus des Toxins ist aber weitaus komplexer, so Prof. Mahowald. Es hemmt zusätzlich die Freisetzung bestimmter an der Schmerzentstehung beteiligter Neuropeptide, etwa Substanz P oder Calcitonin-Gene Related Peptide (CGRP) und unterbricht damit nozizeptive Signale.

Die Substanz ist vielversprechend in der Therapie persistierender Gelenkschmerzen, berichtete die amerikanische Rheumatologin. „Die Beobachtung, dass eventuelle Schmerzen bei intramuskulärer Injektion des Toxins gelindert werden und das bereits lange vor Einsetzen der Muskelschwäche, lassen auf vom cholinergen System unabhängige analgetische Effekte schliessen“.

In eine erste randomisierte klinische Studie wurden 37 Patienten mit mittelschweren bis schweren therapieresistenten Knieschmerzen eingeschlossen. Sie bekamen entweder eine intraartikuläre Injektion von 100 Einheiten Botulinumtoxin A plus Lidocain oder eine Salzlösung plus Lidocain.

Nach einem, drei und sechs Monaten werden Schmerzen und Kniefunktion anhand des WOMAC-Scores*, einer validierten Messmethode bei Arthrose, ermittelt.

Die Ein-Monatsergebnisse wurden jetzt als Late-breaking–Poster vorgestellt: Bei Patienten mit starken Knieschmerzen, die Botulinumtoxin A erhalten haben, besserten sich sowohl Schmerzen als auch Kniefunktion signifikant. Die Schmerzen nahmen um 29 % ab (Plazebo 17 %) und die Kniefunktion besserte sich um 25 %. Patienten mit nur mässigen Knieschmerzen hatten keinen signifikanten Benefit von der Botox-Spritze imVergleich zu Plazebo. Die vollständigen Ergebnisse der Studie werden im August 2007 vorliegen. „Die Wirkung der intraartikulären Injektion wird voraussichtlich drei bis neun Monate anhalten, demnach werden bis zu drei Spritzen pro Jahr notwendig sein“, schloss Prof. Mahowald. Dr. Anka Stegmeier-Petroianu

* Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index





 
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