vernight Reports vom 64. Jahreskongress der American Academy of Dermatology
SAN FRANCISCO, 09.03.2006
Akne 2006: Entzündungshemmung rückt in den Vordergrund
Die Zeiten der schlichten Konzepte bei Akne sind vorbei. Vermehrte
Talgbildung, vermehrte Verhornung und eine Infektion mit Propionibakterien:
So simpel ist die Ätiologie nicht. Molekularbiologisch werden immer detaillierter
die Verstrickungen einzelner Faktoren der Entzündungskaskade mit der Akne-Pathogenese
aufgedeckt. Aber dann wird es wieder einfach: Alles bessert die Akne, was die
Entzündung beherrschen kann, sei es ein Retinoid, sei es Benzoylperoxid,
sei es ein Antibiotikum.
Am 64. Jahreskongress der American Academy of Dermatology befassten sich
Experten in zahllosen Vorträgen mit der Aknetherapie und ihren Grundlagen.
Dr. Neil Bhatia, Universitaet von Wisconsin in Madison, gab ein pathophysiologisches
Update: Interleukin-1-alpha sitzt an den relevanten Schaltstellen der Akne-Entstehung.
Es bewirkt nicht nur eine Entzündung, sondern auch die Hyperkeratose und
ist damit der "König der Komedogenese".
Am Ausgangspunkt stehen die Propionibakterien. Sie aktivieren Toll like receptors
(TLR), welche wiederum die Freisetzung des Interleukins veranlassen. Damit ist
die Entzündungskaskade in Gang gesetzt. Retinoide blockieren die Expression
der TLR und sind daher heute ein wesentlicher Bestandteil der Aknetherapie.
Aber auch Benzoylperoxid wirkt bei chronischer Anwendung den Entzündungsprozessen
entgegen, in Synergie mit den antiinflammatorischen Effekten von Antibiotika
wie Clindamycin und Erythromycin. Auch für Doxycyclin wurde ein unmittelbar
antientzündlicher Effekt über die Blockade des Interleukin 1 beschrieben.
Zudem kann Doxycyclin die bei Entzündung entstehenden freien reaktiven
Sauerstoffverbindungen (Radikale) entschärfen.
Wie wichtig der antientzündliche Effekt ist, betonte auch Professor
emer. James Leyden, vormals Universität von Pennsylvania. Antibiotika
entfalten einen Effekt, selbst bei resistent gewordenen Propionibakterien. Allerdings
hängt dieser Effekt offenbar davon ab, wie stark antiinflammatorisch das
Antibiotikum wirkt. Prof. Leyden zitierte eine Studie, nach der folgende Effekte
erreicht wurden: Unter Oxytetrazyklin wurde bei 56% der Fälle mit sensiblen
versus 47% der Fälle mit resistenten Propionibakterien ein Erfolg erzielt.
Unter Benzoylperoxid (5%) lauteten die Erfolgsraten 60% und 63%, unter der
Kombination Benzoylperoxid und Erythromycin (3%, topisch) 67 und 65%. Lediglich
Minocyclin fiel ab, mit einer Effektivität von 60% bei sensiblen und 27%
bei resistenten Bakterien.
Die aktuellen wissenschaftlichen Fragen betreffen vor allem die Erhaltungstherapie.
In Kenntnis der Bedeutung von Entzündungsmechanismen wird sich die Debatte
um eine langfristige antibiotische Behandlung möglicherweise entschärfen,
da sie gegenüber der antientzündlichen Behandlung an Bedeutung verlieren
wird. UNo
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