Overnight Reports vom 64.
Jahreskongress der American Academy of Dermatology
SAN FRANCISCO, 09.03.2006
Vitamin D ist unersetzlich - Patienten, an die Sonne?
Sonnenschutz, Sonnenschutz und Sonnenschutz predigen die Dermatologen.
Nun stellte sich Dr. Henry W. Lim vom Henry Ford Hospital in Detroit am 64.
Jahreskongress der American Academy of Dermatology aufs Podium und erlaubte
sich die Frage, ob man nicht vielleicht absichtliche Sonnenexposition befürworten
solle. Immerhin hat das durch UV-Strahlen gebildete Vitamin D gesundheitsschützende
Eigenschaften.
Drei Quellen stehen für die ausreichende Vitamin-D-Versorgung zur Verfügung:
das durch UV-B-Strahlung in der Haut gebildete Vitamin D3, das durch Nahrungsmittelsupplementierung
aufgenommene Vitamin D und die Aufnahme mit Ergänzungspräparaten.
Auch in natürlicher Nahrung kommt es vor, jedoch stehen hier nur wenige
Quellen zur Verfügung: Salzwasserfisch, Heilbuttlebertran und Eigelb.
Die Effekte von Vitamin D auf die Gesundheit werden kontrovers diskutiert.
Zwei Wochen vor Kongressbeginn erschienen im New England Journal of Medicine
zwei grosse, jeweils über 7 Jahre laufende Studien zu Vitamin D. Eine
untersuchte bei über 36'000 postmenopausalen Frauen die Wirkung einer Vitamin-D-
und Kalziumsubstitution auf die Häufigkeit von Knochenfrakturen.
Sie fand keine signifikante Reduktion von Knochenbrüchen, jedoch einen
signifikanten Anstieg der Häufigkeit von Nierensteinen. Ein begleitendes
Editorial gab zu bedenken, dass die Vitamin-D-Dosis vermutlich zu niedrig war,
dass 50% der Frauen eine Hormonersatztherapie erhielten und dass bei Studieneinschluss
nicht abhängig von der Knochendichte selektiert wurde.
Die zweite Studie prüfte die Wirkung von Vitamin D auf die Inzidenz von
Kolonkarzinomen, da frühere Studien auf eine protektive Wirkung hinwiesen.
Auch hier fand sich in der knapp 700 Probanden umfassenden Studie kein signifikantes
Ergebnis. Auch hier sei die Vitamin-D-Dosis zu niedrig gewesen, suggeriert das
Begleiteditorial.
Was ist aber "zu niedrig" bzw. "ausreichend", fragte Dr.
Lim. Die US-Empfehlung lautet 200 IU Vitamin D für Kinder und Erwachsene
bis 50 Jahre, 400 IU für Menschen zwischen 50 und 70 und 600 - 800 IU für
noch ältere. "Die heute empfohlene Dosis lautet 800 - 1000 IU pro
Tag oder 50 000 IU pro Woche. Die Intoxikationsschwelle liegt oberhalb 10 000
IU pro Tag, sodass hier ein grosses Sicherheitsfenster gegeben ist", so
Dr. Lim.
Nun kommt noch das Thema Sonnenschutz ins Spiel. Eine Studie zeigte, dass nach
Anwendung eines Sonnenschutzfaktors 8 der Anstieg des Vitamin-D-Spiegels signifikant
gehemmt wurde. Jedoch: Selbst bei regelmässiger Anwedung eines SPF von
17 über den ganzen Sommer änderten sich die entsprechenden Hormonparameter
nicht. Auch Blutspiegelbestimmungen zeigen, dass Hellhäutige einen normal
hohen Spiegel von 80 nmol/l aufweisen. Bei den über 60-Jährigen allerdings
nicht, bei ihnen lag in zwei Dritteln der Fälle der Spiegel unterhalb dieses
Normwertes.
Sollten diese Personen also gezielt an die Sonne? "Die kutane Vitamin-D-Bildung
und die schädlichen Effekte des UV-B-Spektrums, namentlich die Krebsentstehung,
lassen sich nicht voneinander trennen. Es ist nicht angemessen, den Patienten
zu einer absichtlichen Sonnenbestrahlung zu raten", zog Dr. Lim das Fazit.
Um einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel zu erhalten, sollte die Vitamin-D-Substitution
herangezogen werden, in Form der supplementierten Nahrungsmittel und, bei Personen
mit einem erhöhten Risiko für einen Vitamin-D-Mangel wie älteren
Menschen, mit einer gezielten Ergänzung. UNo
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