Overnight-Reports vom 64.
Jahreskongress der American Academy of Dermatology
SAN FRANCISCO, 05.03.2006
"Neue" Allergene - Verdacht schöpfen ist alles
Einen Literaturüberblick über die neuesten Kontaktallergene
gab Prof. Dr. Robert L. Rietschel, University of Arizona in Tucson am 64.
Jahreskongress der American Academy of Dermatology.
Was steckt dahinter, wenn sich eine Frau ein neues "kleines Schwarzes"
kauft und eine schwere generalisierte allergische Reaktion erleidet? "Je
höher die Induktionsdosis war, desto niedriger liegt die Schwelle für
eine nachfolgende allergische Reaktion", betonte der Professor. Im geschilderten
Fall hatte sich die Patientin ein schwarzes Henna-Tattoo anfertigen lassen,
mit dem zugesetzten Inhaltsstoff PPD.
Bereits bei einem vierjährigen Mädchen war eine ähnliche Reaktion
aufgetreten, und die Literatur nennt inzwischen schon 10 weitere pädiatrische
Fälle einer PPD-Reaktion. In Dänemark liegt das durchschnittliche
Alter für den Beginn des Haarefärbens bei 16 Jahren, und das ist in
diesem Zusammenhang relevant: PPD ist auch in dunklen Haarfarben enthalten.
Schwere allergische Reaktionen mit Hospitalisationspflicht bei Kindern, die
sich die Haare färbten, wurden im Jahr 2006 der Fachwelt präsentiert.
Weitere mögliche Erscheinungsorte für diese Allergien: die Lippen
und die Augenbrauen, wenn sich Frauen diese Regionen mit Permanent-Make up betonen
lassen. Ein weiteres, sehr altes Agens findet sich neuerdings als Kontaktallergen:
Schellack in Maskara. "Die Liste für mögliche Allergene sollte
man seit Publikation einer Studie im Jahr 2005 um Schellack erweitern",
rät Prof. Rietschel.
Noch wenig bekannt dagegen ist ein neues Insekten-Repellent mit Picaridin.
Dieser Stoff ist zwar besser verträglich als DEET (Diethyl-Toluamid), aber
eben auch verantwortlich für die eine oder andere Kontaktdermatitis. Auch
noch selten ist eine Kontaktdermatitis aufgrund eines Silikon-Kochleaimplantates.
Aufmerksam werden sollte man bei einer Windel-Dermatitis: Farbe, die in der
Windel verwendet wird, kann eine Kontaktdermatitis unterhalten, wie eine Arbeit
aus dem letzten Jahr zeigte. Sie ist auch deshalb interessant, weil man bislang
glaubte, das unreife Immunsystem von Säuglingen sei zu einer Kontaktdermatitis
noch wenig in der Lage. 20% der Windeldermatitiden könnten aber eine Kontaktallergie
sein.
Ebenfalls recht neu sind Berichte über Kontaktallergien auf EMLA-Salbe
hin, die ebenfalls bei Tätowierungen, aber auch zur chirurgischen Lokalanästhesie
vor kleinen Eingriffen angewendet wird. Besonders exotisch erscheint ein Fall
von palmoplantarer Pustulose, den Prof. Rietschel zitierte: Hier war es eine
Allergie auf Zinkverbindungen in einer Zahnfüllung, die die Allergologen
auf eine Probe stellten. Offensichtlich gibt es auf diesem Gebiet nichts, was
es nicht gibt.
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