Medical Tribune AG



Donnerstag, 17.05.2012     Medical Tribune Group





Overnight-Reports vom 64. Jahreskongress der American Academy of Dermatology


SAN FRANCISCO, 05.03.2006

"Neue" Allergene - Verdacht schöpfen ist alles

Einen Literaturüberblick über die neuesten Kontaktallergene gab Prof. Dr. Robert L. Rietschel, University of Arizona in Tucson am 64. Jahreskongress der American Academy of Dermatology.

Was steckt dahinter, wenn sich eine Frau ein neues "kleines Schwarzes" kauft und eine schwere generalisierte allergische Reaktion erleidet? "Je höher die Induktionsdosis war, desto niedriger liegt die Schwelle für eine nachfolgende allergische Reaktion", betonte der Professor. Im geschilderten Fall hatte sich die Patientin ein schwarzes Henna-Tattoo anfertigen lassen, mit dem zugesetzten Inhaltsstoff PPD.

Bereits bei einem vierjährigen Mädchen war eine ähnliche Reaktion aufgetreten, und die Literatur nennt inzwischen schon 10 weitere pädiatrische Fälle einer PPD-Reaktion. In Dänemark liegt das durchschnittliche Alter für den Beginn des Haarefärbens bei 16 Jahren, und das ist in diesem Zusammenhang relevant: PPD ist auch in dunklen Haarfarben enthalten. Schwere allergische Reaktionen mit Hospitalisationspflicht bei Kindern, die sich die Haare färbten, wurden im Jahr 2006 der Fachwelt präsentiert.

Weitere mögliche Erscheinungsorte für diese Allergien: die Lippen und die Augenbrauen, wenn sich Frauen diese Regionen mit Permanent-Make up betonen lassen. Ein weiteres, sehr altes Agens findet sich neuerdings als Kontaktallergen: Schellack in Maskara. "Die Liste für mögliche Allergene sollte man seit Publikation einer Studie im Jahr 2005 um Schellack erweitern", rät Prof. Rietschel.

Noch wenig bekannt dagegen ist ein neues Insekten-Repellent mit Picaridin. Dieser Stoff ist zwar besser verträglich als DEET (Diethyl-Toluamid), aber eben auch verantwortlich für die eine oder andere Kontaktdermatitis. Auch noch selten ist eine Kontaktdermatitis aufgrund eines Silikon-Kochleaimplantates.

Aufmerksam werden sollte man bei einer Windel-Dermatitis: Farbe, die in der Windel verwendet wird, kann eine Kontaktdermatitis unterhalten, wie eine Arbeit aus dem letzten Jahr zeigte. Sie ist auch deshalb interessant, weil man bislang glaubte, das unreife Immunsystem von Säuglingen sei zu einer Kontaktdermatitis noch wenig in der Lage. 20% der Windeldermatitiden könnten aber eine Kontaktallergie sein.

Ebenfalls recht neu sind Berichte über Kontaktallergien auf EMLA-Salbe hin, die ebenfalls bei Tätowierungen, aber auch zur chirurgischen Lokalanästhesie vor kleinen Eingriffen angewendet wird. Besonders exotisch erscheint ein Fall von palmoplantarer Pustulose, den Prof. Rietschel zitierte: Hier war es eine Allergie auf Zinkverbindungen in einer Zahnfüllung, die die Allergologen auf eine Probe stellten. Offensichtlich gibt es auf diesem Gebiet nichts, was es nicht gibt.





 
[ Home ] [ Sitemap ]
 
hosted by bit-heads GmbH