|
KHK-Risiko online
berechnen
|
Die richtigen
Patienten im Auge haben
Infarkt-Vorhersage nach PROCAM
BERLIN - "Mein Onkel
hat auch jeden Tag 40 Zigaretten geraucht und war bis 90 quietschfidel".
Patienten, die mit solchen Sprüchen aufwarten, können Sie jetzt
überzeugend das Gegenteil beweisen: Mit einem neuen, zuverlässigen
Berechnungsschema für das Herzinfarktrisiko, das Sie direkt in der
Sprechstunde zum Einsatz bringen können.
Wie die in der Zeitschrift Circulation (G.
Assmann et al, Circulation 2002;105: 310-315) frisch publizierte Methode
funktioniert, erläuterte ihr Urheber Professor Dr. Gerd
Assmann vom Institut für Arterioskleroseforschung der Universität
Münster an einer Pressekonferenz in Berlin. Wissenschaftliche Basis für
das praxistaugliche Herzrisiko-Einmaleins ist die seit bereits 25 Jahren
laufende PROCAM (Prospective Cardiovascular Münster)-Studie, in der die
Forschergruppe aus Münster bei über 30 000 Arbeitnehmern kardiovaskuläre
Risikofaktoren prospektiv analysierten und bewerteten. Acht unabhängige
Infarkttreiber wurden bei der fortlaufenden Beobachtung dingfest gemacht
und gingen in das neu entwickelte Punktesystem ein: LDL-Cholesterin,
HDL-Cholesterin, Triglyzeride, systolischer Blutdruck, Lebensalter,
Diabetes mellitus, Zigarettenrauchen sowie Herzinfarkt in der Familie.
|
|
Jedem dieser Risikofaktoren ist ein Punktwert
zugeordnet. Ein LDL-Cholesterin-Wert zwischen 160 und 189 mg/dl würde zur
koronaren Bürde z.B. mit 14 Punkten, ein systolischer Blutdruck zwischen 160 und
189 mmHg mit 5 Punkten beitragen, machte Prof. Assmann deutlich. Für die Summe
der Risikopunkte kann man dann in einer Tabelle das 10-Jahres-Risiko des
Patienten für einen Herzinfarkt ablesen.
Therapie-Effekt lässt sich
direkt ablesen
Dieses Berechnungsmodell hilft dem Arzt, Art und
Intensität therapeutischer Massnahmen am "globalen Risiko" zu orientieren und
nicht mehr an einzelnen Risikofaktoren zu haften, betonte Prof. Assmann.
Wer ist nun wie stark gefährdet? Ein hochgradig
gefährdeter Patient sitzt vor Ihnen, wenn bei ihm 54 oder mehr Punkte
zusammenkommen: Sein Risiko, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt zu
erleiden, liegt über 20 %. Risikofaktoren anpacken, heisst nun die Devise. Da
der neue Punktescore auch anzeigt, wie gewichtig die einzelnen Risikofaktoren
vergleichsweise sind, kann man vorrangige Behandlungsschritte festlegen. Gelingt
es z.B., einen LDL-Wert von 160 mg/dl auf 120 mg/dl zu senken, lässt sich der
Schutzeffekt dieses Erfolges ebenfalls ablesen, nämlich dass die entsprechenden
Risikopunkte von 14 auf 5 gesunken sind.
Auch ohne Beschwerden oft
hoch gefährdet
Auch Patienten mit einem "Globalrisiko" zwischen 10
und 20 % - das entspricht 45 bis 53 Punkten - tragen bereits ein deutlich
höheres Risiko als die meisten Gleichaltrigen, so dass regelmässige
Kontrolluntersuchungen vonnöten sind, und die Behandlung von gravierenden
Risikofaktoren erwogen werden sollte.
Prof. Assmann hält
die noch immer gebräuchlichen Begriffe wie Primär-, Sekundär- oder Tertiärprävention
für wenig nützlich. Er empfiehlt "risikoabhängige Prävention" zu betreiben.
Denn das Herzinfarkt-Risiko eines Patienten, der keine Beschwerden hat, sei
oft höher als das von Patienten mit manifester koronarer Herzkrankheit", so
Prof. Assmann. Alternativ zur Punktemethode können Kollegen das Infarkt-Risiko
ihrer Patienten auch mit dem im Internet verfügbaren PROCAM-Risiko-Kalkulator
berechnen, der Ihnen oben rechts auf dieser Seite zur Verfügung steht.
(19.04.2005)
|