Overnight Reports von der XVI. HIV-Konferenz
TORONTO, 21. August 2006
XVI. AIDS-Konferenz
Prävention für Schweiz zentral
Zum Abschluss der Aidskonferenz in Toronto haben
Experten eindringlich zu einer besseren Vorsorge und zu mehr
Engagement der Politik im Kampf gegen HIV aufgerufen. Die Schweizer
Delegation wies auf die Wichtigkeit der Prävention hin.
"Wir haben alle wissenschaftlichen Hinweise, um Millionen
Menschen zu retten. Jetzt brauchen wir den langfristigen
politischen Willen, es auch zu tun", sagte Peter Piot, Direktor des
Aidsbekämpfungsprogramms UNAIDS der Vereinten Nationen.
In den vergangenen 25 Jahren habe das Virus 25 Millionen
Menschen getötet - daraus gelte es zu lernen. Die bisher grösste
Aidskonferenz der Welt endete am Freitag, das nächste Treffen
findet in zwei Jahren in Mexiko statt.
Politik gefordert
Durch die Konferenz sei Aids wieder ins politische Bewusstsein
gedrungen, sagte Roger Staub, Leiter der Sektion Aids beim
Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Freitag der Nachrichtenagentur
SDA. Die Diskussion "über das grösste Gesundheitsproblem der
Menschheit" müsse zuoberst auf der politischen Agenda stehen.
Während der Tagung hatten viele der rund 24 000 Teilnehmer immer
wieder beklagt, dass die reichen Länder der G8-Gruppe ihre mehrfach
gegeben Spendenzusagen nicht erfüllen und daher viele Millionen
Menschen unnötig an Aids sterben.
UNAIDS beziffert den Finanzbedarf im Jahr 2007 auf
18,1 Milliarden Dollar, bislang seien nur etwa 10 Milliarden Dollar
angekündigt oder zugesagt. Im weltweiten Kampf gegen Aids werde
dringend mehr Geld benötigt, sagte auch Staub. "Es ist
unvorstellbar, wie sehr gerade Entwicklungsländer unter dem Virus
leiden."
Fokus Prävention
Die Aidskonferenz in Toronto stand laut Staub stark im Zeichen
der Prävention. Nach dem Fokus der letzten Jahre auf den Zugang zu
Medikamenten dürften Massnahmen zum Schutz vor einer Ansteckung mit
dem HIV-Virus nicht vernachlässigt werden, sagte Staub.
Hier könne die Schweiz einen Beitrag leisten, indem sie ihr
Know-How weitergebe. Die Schweizer HIV-Kohorten-Studie, an der
7000 Patienten beteiligt seien, stosse in mehreren Ländern auf
Interesse.
Die Aids-Hilfe Schweiz, die ebenfalls an der Konferenz teilnahm,
sieht sich nach deren Ende in ihrer Präventionsarbeit bestärkt. Die
Schweiz sei hier "allgemein schon sehr weit", sagte Thomas Lyssy,
Sprecher der Stiftung, in Toronto.
Erschreckend sei, dass an der Konferenz die Wichtigkeit von
Präservativen zur Verhinderung einer Ansteckung "praktisch kein
Thema" gewesen sei. Lyssy führte dies auf den Einfluss der USA
zurück, deren Strategie auf Sex-Abstinenz beruhe.
Diskutiert worden sei über chemische Präventionsmassnahmen -
etwa für Mikrobizid-Gele für Frauen. Diese seien aber erst in
einigen Jahren verfügbar. Ein Impfstoff zeichnet sich weiter nicht
ab. Etwas Hoffnung geben neue Studien zur Beschneidung von Männern,
die deren Infektionsrisiko senken könnte.
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