14. MS-Symposium „State of the Art“ mit Besucherrekord
Luzern – Am Samstag, 28. Januar 2012, fand im KKL Luzern das 14. „State of the Art“ MS-Symposium statt. Der mit rund 200 Neurologen und medizinischen Fachper-sonen sehr gut besuchte Fachkongress informierte über die neusten Entwicklungen in der Multiple Sklerose (MS) Forschung. Diesjähriger Fokus: Understanding MS Het-erogeneity – Making the right choices.
Zum 14. Mal organisierte die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft unter der Lei-tung von Professor Ludwig Kappos, Basel, und Professor Jürg Kesselring, Valens, die Fach-tagung „State of the Art“. International renommierte Experten berichteten dem Publikum über die neusten Entwicklungen in der MS-Forschung. Am Morgen standen Fachreferate über die neuesten Erkenntnisse auf dem Programm, am Nachmittag wurden in Workshops gelebte Praxiserfahrungen ausgetauscht.
Spannende Einblicke in die MS-Forschung
Die Ursache der Multiplen Sklerose ist nach wie vor nicht bekannt. Forscherteams aus dem In- und Ausland arbeiten jedoch mit Hochdruck daran, die Mechanismen der Krankheit zu verstehen, um so neue Therapieformen entwickeln zu können. Die Referenten gewährten einen spannenden Einblick in ihre Forschungstätigkeit.
In den letzten Jahren hat sich durch pathologische Untersuchungen am Menschen wie auch tierexperimentelle Studien unser Verständnis der Entwicklung der MS verändert. Es konnte gezeigt werden, dass neben der Entzündung im zentralen Nervensystem auch die Neurode-generation eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Behinderung spielt. Kontrovers wird weiter diskutiert, ob diese Neurodegeneration in besonderen Fällen, z. B. bei der sekun-dären Progression, auch unabhängig von der Entzündung ablaufen kann oder ob die Neuro-degeneration immer ursächliche Folge einer Entzündung ist. Die Klärung dieser Frage hat nicht nur akademische Bedeutung, sondern hätte weitreichende Konsequenzen, was zukünf-tige Therapieansätze angeht. Ein weiterer neuer Aspekt der MS-Forschung ist die Erkennt-nis, dass sich die Entzündung bei der MS keineswegs nur auf die weisse Substanz des zentra-len Nervensystems, das Myelin, beschränkt. Aktuelle Studien konnten eine akute Entzün-dung auch im Bereich der grauen Substanz bereits in frühen Krankheitsstadien nachweisen.
Die genauen Ziele der Immunantwort und die Ursachen für diese fehlgeleitete Immunreakti-on sind noch immer nicht im Detail bekannt. Grosse genetische Studien konnten zeigen, dass
eine Vielzahl von Genen an der Entstehung der MS beteiligt sind. Die einzelnen Gene haben für sich genommen aber ein nur sehr geringes Risiko. Für die Krankheitsentstehung ist also ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher genetischer Faktoren in Zusammenhang mit Umweltfaktoren notwendig. Diese Komplexität bedingt auf der anderen Seite ein sehr heterogenes Spektrum der MS, was sich sowohl im klinischen Verlauf, im unterschiedlichen Therapieansprechen und in unterschiedlichen pathologischen Charakteristika niederschlägt.
Im klinischen Alltag ist diese Heterogenität von essentieller Bedeutung, da sie unser thera-peutisches Vorgehen mitbestimmen sollte. Leider gibt es bisher aber nur sehr wenige Para-meter, die unterschiedliche Verläufe oder Therapieansprechen vorhersagen lassen. In der klinischen Praxis werden weiterhin die Schubfrequenz, das Fortschreiten der Behinderung und die Zunahme an entzündlichen Läsionen in der Kernspintomographie als Anhaltspunkte für den Krankheitsverlauf genommen. Aktuelle Forschungsergebnisse lassen hoffen, dass neue Parameter in der Kernspintomographie wie die Messung der kortikalen Atrophie hel-fen, Patienten besser bestimmten Verläufen oder pathologischen Kategorien zuordnen zu können.
Auch wenn sich unsere therapeutischen Möglichkeiten in den nächsten Jahren deutlich verbessern werden, ist eine Heilung der MS noch nicht in Sicht. Umso wichtiger ist es, die klinische Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben. Wie das Symposium zeigt, ist die Schweizer Forschung in ein dichtes Netzwerk internationaler Kooperationen integriert. Ge-meinsame Projekte, wie die Schweizer MS Kohorte und internationale Kooperationen, sind die Grundlage für weitere Fortschritte in der Forschung, wie sie beim aktuellen „State of the Art“ präsentiert wurden.
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