Allogene Stammzelltransplantation in der First-line
Eine Option für Hochrisikopatienten mit Multiplen Myelom
PARIS – Bei Hochrisikopatienten mit Multiplen Myelommit ungünstigen zytogenetischen Konstellationen bietet sich einer deutschen Studie zufolge eine allogene Stammzelltransplantation (alloSCT) bereits in der First-line als wirksame Alternative an.
Die Option einer allogenen Stammzelltransplantation wird seit Langem diskutiert, weil hier vor allem der Graft-versus-Myeloma-Effekt, d.h. die Bekämpfung der malignen Zellen durch das übertragene Immunsystem des Spenders, genutzt werden kann. Die Deutsche Studiengruppe Multiples Myelom (DSMM) schloss in ihre Studie DSMM V insgesamt 199 Patienten im Alter bis zu 60 Jahren ein, die an einem neu diagnostizierten Myelom der Durie-Salmon-Stadien II und III litten und deren Myelomzellen mindestens eine 13q-Deletion aufwiesen.
Tiefe des Ansprechens nicht von GvHD abhängig
Alle Patienten wurden zunächst mit einer Induktionstherapie aus einem Anthrazyklin und Dexamethason sowie einer Hochdosistherapie mit Melphalan und einer autologen Stammzelltransplantation behandelt. 126 Patienten mit einem HLA-gematchten Spender erhielten anschliessend eine Konditionierung mit Fludarabin und Melphalan sowie eine allogene Transplantation, davon 56 von einem verwandten, die übrigen 70 von einem nicht verwandten HLA-gematchten Spender. Die 73 Patienten, für die sich kein Spender finden liess, bekamen ein zweites autologes Transplantat, berichtete Professor Dr. Hermann Einsele vom Universitätsklinikum Würzburg, am 13th International Myeloma Workshop 2011.
Die allogene Transplantation war der doppelt-autologen in diesem Hochrisikokollektiv von Patienten in jeder Hinsicht überlegen: 59 % der Patienten erzielten hier eine Komplettremission, in der Kontrollgruppe nur 32 % (p=0,003); auch der Unterschied bei den Gesamtremissionsraten war signifikant (91 vs. 86 %, p=0,003). Zudem war die Tiefe des Ansprechens nicht vom Auftreten einer akuten Graft-versus-Host-Reaktion (GvHD) abhängig: Patienten mit GvHD der Grade 0 oder I erreichten zu 58 % komplette Remissionen, diejenigen mit GvHD vom Grad II–IV zu 62 % (p=0,75). Auch beim progressionsfreien Überleben war die allogene Transplantation mit median 34 gegenüber 23 Monaten signifikant überlegen (p=0,022). Bei den Patienten, die zusätzlich zur 13q-Deletion noch eine 17p13-Deletion aufwiesen, war die allogene Stammzelltransplantation sogar bereits mit einer signifikanten Verlängerung des Gesamt-
überlebens verbunden (p=0,0023). Ähnliches gilt für Patienten, die zusätzlich zur 13q-Deletion erhöhte LDH-Werte hatten.
Die therapiebedingte Mortalität in der allogen transplantierten Kohorte lag mit 11,9 % nach zwei Jahren bemerkenswert niedrig, betonte Prof. Einsele. Auch die Quelle der allogenen Stammzellen spielte dabei keine Rolle: Die Überlebenskurven der Patientenkollektive mit verwandten bzw. nicht verwandten Spendern waren deckungsgleich.
Um die Rezidivraten bei den allogen transplantierten Patienten noch weiter zu senken, muss man künftig über Erhaltungstherapien nachdenken, so Prof. Einsele. Die zurzeit laufende DSMM-XII-Studie beispielsweise weist ein ähnliches Design auf wie DSMM V, aber in der Induktion werden Anthrazyklin und Steroid noch um den Immunmodulator Lenalidomid ergänzt.
Bei bisher 146 rekrutierten Patienten gibt es noch keinen einzigen therapiebedingten Todesfall. An die allogene Transplantation schliesst sich hier eine einjährige Erhaltungstherapie mit Lenalidomid an. fg
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