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Samstag, 04.02.2012     Medical Tribune Group





Progressionsrisiko bei Patienten mit follikulärem Lymphom um 50% reduziert

Wird die Erhaltungstherapie mit Rituximab neuer First-line-Standard?

CHICAGO – Eine Erhaltungstherapie mit Rituximab über zwei Jahre verbessert signifikant das progressionsfreie Überleben von neu diagnostizierten Patienten mit follikulärem Lymphom. Bei 82% der Patienten war die Erkrankung unter der Erhaltungstherpie remittiert. Die Erhaltungstherapie sollte der neue First-line-Standard sein, betonte Professor Dr. Gilles Salles, Lyon, am diesjährigen ASCO-Jahreskongress.

In die Intergroup Phase-III-Studie PRIMA1 wurden 1217 Patienten mit neu diagnostiziertem follikulärem Lymphom der Grade 1 bis 3a aufgenommen. Die Patienten erhielten als Erstbehandlung acht Zyklen Rituximab plus Chemotherapie. Die Studienzentren konnten zwischen drei Chemotherapie-Regimen wählen: acht Zyklen CVP oder sechs Zyklen CHOP bzw. sechs Zyklen FCM. Die Mehrzahl der Patienten war mit R-CHOP behandelt worden, berichtete Studienleiter Prof. Salles, Université Claude Bernard Lyon, Frankreich.

Auf die Induktionstherapie sprachen 1018 Patienten an. Sie wurden in zwei Arme randomisiert: 505 Patienten erhielten Rituximab in einer Dosierung von 375mg/m2 alle acht Wochen über zwei Jahre (Erhaltung), 513 Patienten bildeten die Kontrollgruppe. Die Dauer der Erhaltungstherapie wurde willkürlich gewählt. Eine Theapiedauer über zwei Jahre ist für die Patienten akzeptabel, sagte der Studienleiter. Die erste Interimsanalyse war nach 258 Ereignissen geplant. Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben ab Randomisierung zur Erhaltungstherapie, den Rituximab souverän erreichte.

Alle Subgruppen profitierten

Der Anti-CD20-Antikörper reduzierte das Progressionsrisiko signifikant um 50% (Abb. 1). Nach zwei Jahren waren 82% der Patienten unter der Erhaltungstherapie mit Rituximab progressionsfrei verglichen mit 66% im Beobachtungsarm, unterstreicht Prof. Salles.

Nach Worten des Referenten war in allen Subgruppen – Patienten unter und über 60 Jahre, FLIPI ≤1, FLIPI 2 sowie FLIPI ≥3, Qualität des Ansprechens (CR/CRu, PR) auf die Induktionstherapie – ein Benefit durch die Erhaltungstherapie zu verzeichnen. Ein signifikanter Benefit fand sich allerdings bei jenen Patienten, die als Ersttherapie R-CHOP erhalten hatten (HR=0,43; CI 95%: 0,31 bis 0,59). Auch die Zeit bis zur Folgetherapie konnte durch die Erhaltungstherapie verlängert werden (Abb. 2). Bei Studienende entwickelten im Rituximab-Arm 79 Patienten (20,3%) einen Progress verglichen mit 162 Patienten (40,7%) im Beobachtungsarm. Ein komplettes Ansprechen (CR/CRu) war bei 260 Patienten (66,8%) unter der Erhaltungstherapie zu verzeichnen gegenüber 190 Patienten (47,7%) im Beobachtungsarm.

Unter der Erhaltungstherapie ereigneten sich zehn lymphombedingte Todesfälle und zwölf im Kontrollarm. Wegen Nebenwirkungen beendeten zehn Patienten in der Verumgruppe und ein Patient in der Kontrollgruppe die Studie vorzeitig. Das Sicherheitsprofil von Rituximab, so der Referent, entsprach jenem in früheren Studien, neue Toxizitäten wurden nicht beobachtet. Die häufigsten Nebenwirkungen unter Rituximab waren Infektionen vom Schweregrad ≥2.

Eine Erhaltungstherapie mit Rituximab über zwei Jahre verbessert signifikant das progressionsfreie Überleben für Patienten mit neu diagnostiziertem follikulärem Lymphom, unterstrich Prof. Salles. Der Benefit durch die Erhaltungstherapie mit Rituximab in der First-line ist grösser als jener von R-CHOP beim Progress:

  • nach R-CHOP in der EORTC-Studie2: HR=0,69
  • nach R-CHOP in PRIMA: HR=0,43

„Eine Erhaltungstherapie mit Rituximab für zwei Jahre nach einer Rituximab-haltigen Chemotherapie stellt in der First-line einen neuen Standard dar für Patienten mit follikulärem Lymphom, die eine Therapie benötigen“, betonte der Experte. Ein längeres Follow-up wird zeigen, ob die Patienten auch beim Gesamt-überleben von der Erhaltungstherapie profitieren. Geplant ist ein Follow-up über fünf Jahre. Brigitte Gonschorowski


Abb. 1: Bei der geplanten Interimsanalyse den primären Endpunkt erreicht: Die Erhaltungstherapie mit Rituximab reduzierte das Progressionsrisiko signifikant um 50%.
Abb. 1: Bei der geplanten Interimsanalyse den primären Endpunkt erreicht: Die Erhaltungstherapie mit Rituximab reduzierte das Progressionsrisiko signifikant um 50%.
Abb. 2: Auch die Zeit bis zur Folgetherapie, ein sekundärer Endpunkt, konnte durch die Erhaltungstherapie mit Rituximab verlängert werden.
Abb. 2: Auch die Zeit bis zur Folgetherapie, ein sekundärer Endpunkt, konnte durch die Erhaltungstherapie mit Rituximab verlängert werden.



















1 Salles GA, ASCO 2010 Abstract #8004 2 van Oers MH, J Clin Oncol 2010, 28(17): 2853–2358 CHOP: Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison CVP: Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison FCM: Fludarabin, Cyclophosphamid, Mitoxantron





 
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