AKTUELLES
PORTO, Portugal, 26. August
Weltweite Kampagne gegen Epilepsie
Die Weltgesundheitsorganisation und internationale Epilepsie-Organisationen decken unannehmbaren Zustand der Epilepsiepflege in ganz Europa auf
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zwei internationale
Epilepsie-Organisationen, das Internationale Büro für Epilepsie (IBE) und die
Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) haben heute die Veröffentlichung
eines Berichts über Epilepsie in Europa bekanntgegeben, der zu dem Schluss
kommt, dass viele Aspekte der Epilepsiepflege mit einem Mangel an Ressourcen
kämpfen müssen.
Der Bericht "Fostering Epilepsy Care in Europe" wurde im Rahmen einer
weltweiten Kampagne gegen Epilepsie ("Global Campaign Against Epilepsy",
GCAE) von den Organisationen IBE/ILAE/WHO erstellt. Der Bericht spricht die
aktuellen Herausforderungen der Epilepsiepflege an und stellt Empfehlungen
auf, wie diese anzugehen sind. Er liefert ausserdem einen Überblick über die
aktuelle Situation der Epilepsie auf dem gesamten Kontinent. Der Bericht kann
heruntergeladen werden unter: http://www.ibe-epilepsy.org
"Epilepsie ist eine Krankheit, die gut behandelt werden kann. Die
bestehenden Lücken im Pflegesystem und das Niveau der Stigmatisierung an
Epilepsie erkrankter Menschen sind jedoch schlicht inakzeptabel", stellte
Hanneke M. de Boer, Koordinatorin der Globalen Kampagne gegen Epilepsie (GCAE)
vom SEIN Epilepsy Institute in den Niederlanden, fest. "Dadurch, dass die
WHO, das IBE und die ILAE zusammen an der Spitze der GCAE stehen und diesen
bahnbrechenden Bericht produziert und veröffentlicht haben, arbeiten sie im
Namen und unter Mitarbeit von Epilepsiepatienten in Europa zusammen daran,
die Epilepsie aus ihrem Schattendasein zu holen."
Die wichtigsten Aktionsempfehlungen, die in dem europäischen Bericht des
IBE/der ILAE/der WHO herausgestellt worden sind, beinhalten:
- Verbesserten Zugang zu Pflege für Epilepsiepatienten - Verbesserung der
Darstellungen von Epilepsie in Europa und Arbeit an Veränderungen der
Etatplanung und politischer Entscheidungen, die sich auf Menschen mit
Epilepsie auswirken - Entwicklung und Umsetzung einer wirksamen
Gesundheitspolitik und von Bildungsmassnahmen, um die Stigmatisierung von
Epilepsie zu verringern - Förderung und Verstärkung der Epilepsieforschung
innerhalb der Region; dazu gehören die wirtschaftlichen Aspekte und die
wirksamere Nutzung von eingeschränkten Ressourcen - Epilepsiechirurgie, die
potenziell Epilepsie heilen kann, einer breiteren Masse zugänglich machen -
Sammeln von Informationen aus Ländern mit bestehender Gesetzgebung und
Regulierungsmassnahmen im Zusammenhang mit Epilepsie, um das Verständnis und
die Angemessenheit der Massnahmen zu überprüfen.
"Wir sind über diesen Bericht hocherfreut", kommentierte Matt Muijen,
Regional Advisor for Mental Health and Brain Disorders beim Regionalbüro
Europa der Weltgesundheitsorganisation. "Wir sind davon überzeugt, dass die
Empfehlungen den Ländern bei der Entwicklung von Massnahmen helfen werden,
die Stigmata abzubauen, den Menschen ihre Würde zurückzugeben und die
Behandlungslücke für Menschen mit Epilepsie in Europa zu schliessen. Der
Bericht wirkt wie ein Verteidigungsschwert und ist ein Instrument für den
Dialog mit Regierungen, Gesundheitsdiensten, Konsumentenvereinen,
Nichtregierungsorganisationen, akademischen Einrichtungen und
Entwicklungspartnern."
"Die Sterblichkeitsrate bei Epilepsiepatienten ist zwei- bis dreimal
höher als in der Allgemeinbevölkerung", kommentierte Mike Glynn, President
des IBE. "Geschätzte 40% aller Todesfälle, die mit Epilepsie in Verbindung
stehen, erfolgen durch ein Phänomen, das plötzlicher unerwarteter Tod bei
Epilepsie' (Sudden Unexpected Death in Epilepsy, SUDEP) genannt wird. Der
Mechanismus hinter SUDEP ist jedoch bisher unbekannt und Erkenntnisse
hinsichtlich der Risikofaktoren sind äusserst begrenzt. Forschung in Bezug
auf diesen und andere Aspekte der Epilepsie ist unerlässlich, um unser Wissen
und letztendlich die Patientenpflege zu verbessern."
"Epilepsie betrifft mehr als sechs Millionen Menschen in Europa, und bis
zu 40% der Betroffenen werden möglicherweise noch nicht behandelt. Die
Epilepsie fordert weiterhin ihren Tribut; sie beeinträchtigt die physische,
psychologische und soziale Leistungsfähigkeit der Betroffenen und zieht
schwere psychologische, soziale und wirtschaftliche Folgen für ihre Familien
nach sich. Menschen mit Epilepsie, und manchmal ihre Familienmitglieder,
werden häufig stigmatisiert, was eine unsichtbare Belastung erzeugen kann,
die sie möglicherweise bei der Suche nach nötiger Diagnose und Pflege
entmutigt. Stigmata führen zu Diskriminierung und es ist nicht unüblich, dass
Menschen mit Epilepsie Bildungswege verwehrt bleiben. Auch eine
Diskriminierung von Menschen mit Epilepsie am Arbeitsplatz ist nicht
ungewöhnlich."
Epilepsie ist das eindeutigste Beispiel für eine neurologische Störung,
für die kostengünstige und wirksame Behandlungsmethoden existieren. Kürzliche
Studien haben bewiesen, dass bis zu 70% der Menschen mit dieser Krankheit
anfallfrei sein und eine höhere Lebensqualität haben könnten, wenn sie
richtig behandelt würden. Die Notwendigkeit einer Akzeptanz und des Zugangs
zu Behandlungen ist von allerhöchster Bedeutung. Dieser Bericht zeigt nicht
nur aktuelle Lücken in der Epilepsiepflege auf, sondert liefert stichhaltige
Empfehlungen, wie diesen Herausforderungen begegnet werden kann.
Source: The International Bureau for Epilepsy
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