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Exzessives Haarwachstum bei Frauen
So managen Sie wilden Haarwuchs
ZÜRICH – Ein übermässiges Haarwachstum mit männlichem Verteilungsmuster bei Frauen, der Hirsutismus, belastet die Betroffenen oft sehr. Sie trauen sich jedoch selten, deswegen Hilfe zu suchen. Der Arzt kann hier helfen, indem er das Problem erkennt, sorgfältig diagnostiziert, auf psychologische Probleme achtet, auf interdisziplinäre Zusammenarbeit setzt und die Patientinnen langfristig begleitet – so lautet das Rezept der Haar-Expertin Professor Dr. Ulrike Blume-Peytavi, Charité Berlin.
An erster Stelle stehen beim Hirsutismus zwei Fragen: Ist er in verhältnismässig kurzer Zeit aufgetreten und könnte ein polyzystisches Ovar (PCO) dahinterstecken? Mit der ersten Frage erhält man einen Hinweis, ob ein malignes Geschehen vorliegen könnte, was jedoch nur in 1,5 bis 2% der Fälle vorkommt. Die zweite Frage betrifft die häufigste Ursache, denn bei 70 bis 80% der Frauen mit Hirsutismus ist das PCO der Hintergrund. Andere Ursachen sind je nach Patientengut auch ethnische Varianten (5 bis 10%). Wenn der Hirsutismus in der Familie häufig ist, sind aufwändige Hormonuntersuchungen entbehrlich, berichtete Prof. Blume-Peytavi anlässlich einer Interdisziplinären Fortbildung zum Hirsutismus, zu der die Dermatologische und die Reproduktions-endokrinologische Abteilung des Universitätsspitals Zürich eingeladen hatten. Frauen mediterraner Herkunft mit Hirsutismus haben in der Regel den gleichen Androgenspiegel wie weisse Amerikanerinnen und Asiatinnen ohne Hirsutismus.
Medikamente mit androgener Wirkung, ein postmenopausaler Hirsutismus durch Absinken der Östrogenspiegel und metabolische Erkrankungen wie z.B. eine Hyperprolaktinämie oder Schilddrüsenfehlfunktionen müssen gegebenenfalls durch Laboruntersuchungen ausgeschlossen werden.
Für den Nachweis polyzystischer Ovarien reicht es nicht aus, sie im Ultraschall nachzuweisen – ein solcher Befund liegt bei bis zu 25% der Frauen vor. Umgekehrt kann ein PCO-Syndrom auch bei 5 bis 10% der Frauen mit normal erscheinenden Ovarien zu diagnostizieren sein, wenn nämlich die weiteren Kriterien zutreffen: Klinische oder biochemische Zeichen einer Hyperandrogenämie und eine Oligomenorrhoe oder Anovulation. Fragen Sie also Frauen nach einer allfälligen Pilleneinnahme – sie halten nämlich die Entzugsblutung für normale Ovulationen. Die Zeichen der Hyperandrogenämie sind Alopezie, Seborrhö, verstärkte Behaarung, Akne, eine tiefer werdende Stimme, Brustatrophie, Zunahme der Muskulatur, Stimmungsschwankungen und Änderungen der Libido.
Scham, Kinn und Schenkel verräterisch
Die Behaarung wird nach dem Ferriman-Gallwey Score ermittelt (z.B. unter www.hirsutism.com). In neun Zonen, nämlich perioral, am Kinn, perimamillär, periumbilikal, am Mons pubis an den (Ober-)Armen, an den Oberschenkeln, im oberen Rücken und über dem Kreuzbein, erhält die Behaarungsstärke einen Punktwert von 0 bis 4. Ab 8 Punkten spricht man von Hirsutismus. Klinisch kann man sich rasch orientieren, wenn man nach übermässiger Behaarung im Pubesbereich, an den Oberschenkeln und in Kinnregion fragt. Therapeutisch ist als Basis ein gesunder Lebensstil mit vernünftiger Ernährung und regelmässiger Bewegung zu empfehlen, um den Hyperinsulinismus und damit die ovarielle Stimulation zu senken. Gleichzeitig steigt die Bildung des Sexualhormon bindenden Globulins, sodass der freie Androgenspiegel sinkt.
Medikamentös sind in der Schweiz Eflornithin als Enzymhemmer und Cyproteronacetat als Antiandrogen zugelassen. Letzteres muss bei Frauen im gebärfähigen Alter immer mit Kontrazeption kombiniert werden. Daher funktionieren auch Drospirenon und Dienogest in Kontrazeptiva. Nicht zugelassen, aber bei entsprechender Indikation, also manifestem Diabetes mellitus, möglich sind Insulinsensitizer wie Metformin und Glitazone.
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