Samstag, 04.02.2012     Medical Tribune Group





Fasten als Anti-Stress-Programm und Frühjahrskur

Die Kunst, nichts zu essen

Der Tisch ist reichlich gedeckt, das Essen duftet verführerisch und die Familie langt mit Appetit zu. Aber vor Ihnen dampft nur eine Tasse Pfefferminztee und der Magen knurrt. Haben Sie sich Fasten so vorgestellt? Kein Wunder, dass es Sie nicht anspricht. Dabei ist eigentlich alles ganz anders.

Das sagt zumindest die Erfahrung derjenigen, die schon freiwillig gefastet haben. „Man bekommt ein schönes neues Körpergefühl, der Hunger geht weg, man fühlt sich frei und leicht“, erzählt Christiane Krug, die jedes Jahr im Frühling fünf Fastentage einlegt. „Nicht nur der Hosenbund, sondern auch der Geist weitet sich“, sagt Dr. med. Günter Gerhardt, der als prominentes Beispiel alljährlich das Fasten ebenfalls durchführt.

Der Wechsel macht‘s

Und tatsächlich: Die Ursprünge des Fastens liegen wahrscheinlich im Religiösen. Die grossen Religionsstifter wie Moses, Buddha, Christus und Mohammed haben gefastet, bevor sie ihre Lehren verkündeten.

Und es ist nicht nur für die Heiligen unter uns sinnvoll, sondern für jeden: Moderne Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass ein Wechselspiel zwischen mageren und fetten Monaten nicht nur der geistigen Erleuchtung, sondern auch der körperlichen Gesundheit entgegenkommt. Denn es ist Anti-Stress-Programm und Frühjahrskur in einem:

  • Durch das Fasten baut der Körper Fett ab. Fasten stellt den Magen-Darm-Trakt ruhig, dies wirkt sich positiv auf chronisch entzündliche Erkrankungen in diesem Bereich aus. Weil der Körper auch abgelagerte Salze der Milchsäure abbaut (Volksmund: Schlacken), er also entsäuert wird, verbessert sich die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Wahrscheinlich kommt es daher, dass man sich nach dem Fasten vitaler fühlt.
  • Die verbesserte Zellversorgung bewirkt auch, dass sich neue Abbauprodukte nicht mehr so schnell im Bindegewebe ansammeln, sondern entsorgt werden. So bessern sich auch chronisch-entzündliche Prozesse wie Asthma, Allergien oder Rheuma; das zeigen klinische Studien.
  • Weiterhin beeinflusst das Fasten auf positive Weise die Gerinnungsfaktoren des Blutes. Damit verbessern sich die Fliesseigenschaften und es sinkt das Risiko von Verklumpungen, also von Thrombosen.
  • Der Körper wird entwässert. Das ist gut bei Bluthochdruck und bei Neigung zu krankhafter Einlagerung von Gewebswasser. Wegen dieser Auswirkungen ist das Fasten auch bei all den genannten chronischen Krankheiten sinnvoll, in diesen Fällen nennt man die Therapie „Heilfasten“. Sie sollte nur in einer Fastenklinik durchgeführt werden.

Wie macht man es nun richtig – so dass man nicht qualvoll hungert, sondern in den Genuss von körperlicher und geistiger Reinigung gelangt? Wichtig ist, nicht spontan mit dem Essen aufzuhören, sondern das Ganze zu planen.

Gute Planung

Das am meisten gebräuchliche Kurzfasten nach Buchinger dauert fünf Tage, hinzu kommen zwei Entlastungstage im Vorfeld und drei Aufbautage. Legen Sie diese Zeit am besten so, dass die ersten beiden Fastentage am Wochenende stattfinden, denn diese Zeit ist sicher die anstrengendste. Sie können während des Kurzfastens arbeiten, sollten aber etwas kürzer treten, damit Sie auch die Ruhe haben, Ihre inneren Veränderungen wahrzunehmen.

Dem Hunger vorbeugen

Während der beiden Entlastungstage sollten Sie nur noch leicht verdauliche Lebensmittel essen, also Obst, Gemüse, Reis, Nudeln oder Kartoffeln. Finger weg von Fisch, Fleisch, Fett und fetthaltigem Süssem wie Schokoriegel und Rahmtorte.

Am Nachmittag des zweiten Entlastungstages sollten Sie abführen. Dies können Sie mit einer Darmspüllösung zum Trinken oder mit einem Einlauf, auch Klistier oder Irrigator genannt, machen – beides aus der Apotheke. So stellt der Darm seine Funktionen ein, denn laut Erfahrung bekommt man mehr Hunger, wenn der Darm in der Fastenzeit weiterarbeitet. Vorsichtig: Die Antibabypille erst drei Stunden nach dem Abführen einnehmen, keinesfalls kurz davor oder danach!

Nichts essen, viel trinken

Während der Fastentage ist dann eigentlich alles ganz einfach. Sie dürfen nichts essen, sollten aber viel trinken. Erlaubt sind: klare Gemüsebrühe, alle möglichen Teesorten mit Honig und Zitrone und natürlich Wasser. Um während des Fastens den Körper gezielt zu entsäuern, ist der sauer schmeckende Brottrunk gut geeignet, durch ihn siedeln sich in dieser Zeit auch wieder gute probiotische Bakterien an. Sinnvoll kann es weiterhin sein, täglich ein Basenpräparat (z.B. mit dem Wirkstoff Natriumbicarbonat) einzunehmen. Präparate, die sich erst im Darm auflösen, scheinen in diesem Fall verträglicher zu sein.

Wichtig: Setzen Sie sich nicht mit der Familie oder den Kollegen an den Esstisch, sondern kultivieren Sie Ihren Fastentrunk für sich alleine oder zusammen mit anderen Fastenden. Ersetzen Sie Essen durch Geniessen. Am besten, Sie trinken in kleinen Schlucken und „kauen“ den Schluck lange, bis Sie die einzelnen Geschmacksrichtungen Ihres Gemüsesafts oder des duftenden Tees herauskosten. Damit erschliesst sich eine Vielfalt an Erlebnissen im Mund, für die Sie gerade jetzt sehr empfänglich sind.

Ab dem zweiten Tag sind Sie übrigens meist über dem Berg. Ab dann profitieren Sie von dem, was das Fasten an geistigen Erlebnissen bietet: Sie schwimmen auf einem Gefühlshoch und fühlen sich selbstbewusst. Denn Sie haben es gezeigt, dass Sie vor einem Berg an Hindernissen nicht kapitulieren, sondern durchhalten. Sie fühlen sich leichter als sonst, Ihr Schlafbedürfnis ist gesunken und Sie erkennen Ihre eigenen Gefühle klarer. Sie sind aber auch empfindlicher und nehmen sich mehr zu Herzen. Und auch darauf sollten Sie sich einstellen: Beim Fasten verändert sich der Körpergeruch. Betreiben Sie Ihre Körper-hygiene jetzt besonders sorgfältig.

Das Fastenbrechen beginnt mit einer Kartoffel- oder Gemüsesuppe sowie mit Buttermilch und Knäckebrot. Nutzen Sie die Gelegenheit, um sich zu überlegen, wie Sie künftig essen möchten. Vielleicht einfach etwas genussvoller und gesünder?

Weitere Informationen in der Broschüre "Fühl Dich wohl mit Fasten" von Frau Dr. Beatrice Wagner.

Wer darf nicht fasten?

Nicht fasten sollten Menschen mit schweren Essstörungen. Dies gilt besonders für Magersüchtige, die keine Fettreserven haben. Aber auch sehr übergewichtige Personen mit Essattacken sollten auf jede Art von Diät verzichten, so auch auf das Fasten – selbst wenn dies in manchen Ratgebern anders zu lesen ist. Wichtig ist es stattdessen, regelmässige Mahlzeiten und genussvolles Essen anzustreben. Krankhaft ausgezehrte Menschen sollen natürlich wieder zu Kräften kommen und nicht fasten. Schwangeren ist das Fasten ebenfalls nicht zu empfehlen. Wer Marcumar oder ein ähnliches Blutverdünnungsmittel nimmt, darf auf keinen Fall fasten.



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