Samstag, 04.02.2012     Medical Tribune Group





Eiserne Reserven - Der Körper baut darauf

Jeder Körper muss immer wieder neu Energie gewinnen, und Eisen ist dafür ein wichtiger Baustein.

Eisenmangel ist der am meisten verbreitete Nährstoffmangel. Nach Schätzungen der WHO leiden weltweit 3,5 Milliarden Menschen darunter, also knapp die Hälfte der Weltbevölkerung. Bei einem Mangel kann es zu Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Haarausfall, brüchigen Fingernägeln, Schwindel, Kopfschmerzen und depressiven Verstimmungen kommen. Das sind typische Symptome eines Eisenmangelsyndroms – manchmal fälschlicherweise bereits als „Blutarmut“ interpretiert. Eine Anämie aber, die aus einem Mangel an Eisen entsteht, liegt in den meisten dieser Fälle noch nicht vor.

Wofür benötigen wir Eisen?

Der Gesamtbestand an Eisen ist beim Erwachsenen normalerweise mehr oder weniger konstant. Die Eisenbalance wird vor allem über die Nahrungsaufnahme gesteuert, allerdings werden durchschnittlich nur 10 bis 15% des Nahrungseisens aufgenommen. Eisen aus Fleisch wird mit mehr als 20% sehr gut verwertet, pflanzliches Eisen aus Obst oder Gemüse zu einem weitaus geringeren Anteil.

Rund 20% des körpereigenen Eisens werden in dem Protein Ferritin gespeichert, das auch im Blut zirkuliert, rund 10% werden als Funktionseisen für weitere 179 Körperfunktionen benötigt, beispielsweise für die Hormonbildung (z.B. das Glücks- und Schlafhormon), zur Energiegewinnung sowie zur Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff.

Der grösste Anteil, nämlich zwei Drittel des körpereigenen Eisens, befindet sich im Hämoglobin, dem Blutfarbstoff, wobei dieser Eisengehalt im Blut z.B. bei Infekten schwanken kann. Hämoglobin wird zur Bildung von roten Blutkörperchen benötigt. Diese dienen als Transporteinheiten für den über die Lunge aufgenommenen Sauerstoff zu den Zellen. In den Zellen werden unter Beteiligung des Sauerstoffs Fette und Kohlenhydrate abgebaut, um so die Energie für den Körper bereitzustellen. Auch im Gehirn ist Eisen eines der wichtigen Elemente um Botenstoffe zu bilden.

Frauen besonders gefährdet

Natürliche Risikogruppen beim Eisenmangelsyndrom, dem Frühstadium des Eisenmangels, sind Gruppen, die entweder viel Eisen verbrauchen (Spitzensportler und Kinder) oder verlieren (Frauen im Menstruationsalter). Ausserdem zählen dazu Senioren, die oftmals aufgrund ihrer Ernährung nicht mehr ausreichend mit Eisen versorgt werden. Eisenmangel kann im Übrigen auch auf eine zu ballaststoffreiche Ernährung hinweisen. Denn dadurch wird die Aufenthaltszeit der Nahrung in der Darmpassage verkürzt, so dass unter anderem auch die Aufnahme von Eisen erschwert wird. Zu einer ungenügenden Aufnahme kann es auch in der Folge von Magen-Darm-Entzündungen kommen, bei Blutungen im Magen-Darm-Bereich dagegen zu einem erhöhten Verlust.

Wann Eisen zuführen?

Bei andauerndem Eisenmangel ist die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff gefährdet, daher muss bei Symptomen, die auf einen Eisenmangel hinweisen, gezielt geschaut werden. Wie sind die Eisenwerte? Und was könnte die mögliche Ursache eines Eisenmangels sein? Die Bestimmung der Werte ist heute exakt und relativ unaufwändig möglich. Neben den Blutwerten werden dabei weitere Werte ermittelt, die über den Zustand der Eisenspeicher Auskunft geben können. Zwar gibt es Richtwerte was als normal gilt, dennoch kann es individuell sehr unterschiedlich sein, ab wann sich die ersten Symptome bemerkbar machen.

Ob eine Behandlung mit zusätzlichem Eisen erforderlich ist, werden Arzt oder Ärztin deshalb nicht allein an den Ergebnissen der Laboruntersuchung festmachen, sondern unter Berücksichtigung der Gesamtsituation, des Alters und möglicher weiterer Erkrankungen entscheiden. Haben Arzt oder Ärztin tatsächlich einen behandlungsbedürftigen Eisenmangel festgestellt, kann dieser oft mit Tabletten oder Tropfen ausgeglichen werden. Allerdings werden die zu schluckenden Präparate nicht von allen gleich gut vertragen oder resorbiert, alternativ kann Eisen intravenös verabreicht werden. Damit können grössere Defizite auch rascher aufgefüllt werden.

Allein über die Nahrung lässt sich ein grösseres Defizit leider nicht ausgleichen, aber über eine gezielte Ernährung können Sie dazu beitragen, Ihre Speicher (wieder) zu füllen.


Nahrung: Wo steckt das Eisen?

Eisen kann mit zahlreichen Nahrungsmitteln zugeführt werden. Allerdings werden durchschnittlich nur 10 bis 15 Prozent des Nahrungseisens aufgenommen. Eisen aus Fleisch wird mit mehr als 20 Prozent sehr gut verwertet, pflanzliches Eisen nur etwa zu 5 Prozent. Kinder mit rein vegetarischer Ernährung haben in der Regel eine zu geringe Eisenzufuhr! Viel Eisen ist enthalten in:

  • Brot (besonders Vollkornbrot)
  • Fleisch, Wurstwaren, Leber, Geflügel, Fisch
  • Gemüse
  • Hülsenfrüchten
  • Kakaopulver
  • Thymian, Majoran

Ist die Eisenzufuhr durch die Nahrung ungenügend, kann der Arzt Eisenpräparate empfehlen bzw. verschreiben, oder in bestimmten Fällen als Infusion verabreichen.



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