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In vitro funktioniert es tatsächlich
Echinacea gegen Schweinegrippe?
Giessen – Der Rote Sonnenhut entfaltet im Reagenzglas direkt antivirale Effekte gegen Influenzaviren, einschliesslich dem Erreger der Schweinegrippe. Dies konnte eine internationale Forschergruppe um Professor Dr. Stephan Pleschka, Universität Giessen, jetzt erstmals zeigen. Selbst nach mehrmaliger Behandlung der Influenzaviren mit dem Frischpflanzenextrakt konnte keine Resistenzentwicklung beobachtet werden. Wesentliche Elemente der molekularen Wirk-Mechanismen der Inhibition haben die Wissenschaftler im Virology Journal unlängst veröffentlicht.
Seit langem wird vermutet, dass Echinacea direkte antivirale respektive virostatische Effekte haben könnte. Jetzt ist es in einer Studie gelungen, den Nachweis zu erbringen, dass der standardisierte Extrakt aus Echinacea purpura* der Schweizer Firma A. Vogel Bioforce AG, die Influenzaviren in Schach hält. Der Extrakt inhibierte die Infektiosität um mehr als 99%, berichten die Wissenschafter im Virology Journal1.
Untersucht wurde der Echinacea-Extrakt bei fünf Influenza-Stämmen, H3N2 (z.B. Hongkong-Grippe oder saisonale Grippe), H5N1 (z.B. Vogelgrippe, humanpathogen), H7N7 (z.B. Geflügelpest, auch humanpathogen), H1N1 (humane Influenza) und H1N1 (Schweinegrippe) mittels Plaque-Assay mit renalen Epithelzellen. Ein Plaque-Assay ist ein Nachweisverfahren für infektiöse Viren, bei dem eine zu untersuchende Probe in unterschiedlichen Verdünnungen in eine Zellkultur eingebracht wird. Die Zellkulturen wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in variierenden Konzentrationen mit dem Echinacea-Extrakt behandelt und dann das Ausmass der Infektionshemmung geprüft. Der antivirale Effekt blieb auch bei hohen Viruskonzentrationen von 105 PFU/ml erhalten, so die Autoren. Die notwendigen Hemmkonzentrationen lagen zwischen 1,6µg/ml und 50µg/ml und damit weit unter der lokalen Konzentration bei peroraler Anwendung.
Bei der Behandlung der Virenstämme wurde keine Resistenzentwicklung beobachtet, selbst nach mehreren Behandlungszyklen blieb diese aus. Gegen den parallel untersuchten antiviralen Wirkstoff Oseltamivir waren bereits bei der zweiten Behandlungsrunde 87,2% der Viren resistent, nach der dritten Runde nahezu 100%. Diese resistenten Stämme konnten mit dem Planzenextrakt zu 99,9% inhibiert werden.
Der Echinacea-Extrakt entfaltet seine antivirale Wirkung schon sehr früh im Infektionsablauf. „Noch vor der Infektion der Epithelzellen verändert Echinacea das virale Oberflächenprotein Hämagglutinin, das für das Andocken erforderlich ist. Dadurch wird die Adhäsion an zellulären Rezeptoren verhindert und das Virus kann nicht in die Zelle eindringen“, erklärte Professor Dr. Jim B. Hudson, Abteilung für Pathologie und Labormedizin, University of British Columbia, Vancouver.
Die Autoren sind der Ansicht, dass der Exchinacea-Extrakt in der Standardzubereitung eine nützliche, leicht verfügbare und erschwingliche Ergänzung bei der Influenzabekämpfung darstellt. Wie bedeutsam der Effekt bei pandemischen Infektionskrankheiten ist, z.B. bei Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, ist Gegenstand klinischer Forschungen.
1 Pleschka S et al., Virology Journal, Nov. 2009
Der vollständige Artikel erscheint in der Medical Tribune Nr. 04/2010.
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