Eisenmangel wird bei den Jüngsten oft übersehen
Der Eisenmangel wird gerade bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern sehr oft übersehen, obwohl in allen Lehrbüchern immer wieder ausführlich auf den kindlichen Eisenmangel hingewiesen wird. So haben z.B. im ersten Lebensjahr etwa 80?% der Säuglinge einen Eisenmangel. Der Eisenmangel wird aber in der Regel überhaupt nicht beachtet und nur sehr selten kontrolliert. Wenn er dann kontrolliert wird, beschränkt man sich sowohl in den Spitälern, aber erst recht in den Praxen, auf die Bestimmung des Hb-Wertes, und glaubt, dass das reicht. Das reicht aber nicht aus! Auch die Bestimmung der anderen Eisenparameter sind gerade bei einem Säugling, Kleinkind und Kind zwingend geboten.
Da aber häufig in den Praxen bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern in noch völlig veralteter Methode das Blut aus der Fingerbeere entnommen wird, kann man die notwendigen übrigen Eisenparameter überhaupt nicht bestimmen. Es hat sich offensichtlich noch immer nicht ausreichend herumgesprochen, dass die Bestimmung eines Blutbildes aus der Fingerbeere mit Fehlerbreiten von bis zu 30?% oder mehr verbunden ist. So kann z.B. die Schwankungsbreite allein bei den Leukozyten zwischen 5?000 und 15?000 liegen. Im Interesse der Patienten, die wir betreuen, kann dies nicht länger toleriert werden – weder in den Spitälern noch in den Praxen. Deswegen sollten Blutbilder und die anderen Laboruntersuchungen grundsätzlich aus venösem Blut erfolgen.
Viele Kollegen haben aber Probleme, bei Kindern venöses Blut abzunehmen, und wenn man es nicht gut kann, unterlässt man es eben. Dies ist aber zum Schaden der Patienten. Säuglinge, Kleinkinder und Kinder, die einen Eisenmangel haben, leiden in der Regel auch vermehrt unter Infekten. Bei jedem neuen Infekt kommt es aber zu einem weiteren Eisenmangel. Hält der Eisenmangel über Jahre an, kann auch das Wachstum beeinträchtigt sein.
Der Eisenmangel kann in der Regel durch eine gesunde Ernährung mit ausreichend Gemüse und Fleisch ausgeglichen werden, besonders, wenn das Kind schon etwas älter ist. Allerdings sollte das Fleisch für Kleinkinder und Kinder immer gut zerkleinert sein, da diese Altersgruppe in der Regel noch nicht alle Backenzähne hat und auch die Kaumuskulatur noch nicht kräftig genug ist, um das Fleisch ausreichend zu zerkleinern. Es bietet sich daher an, dieser Altersgruppe vorzugsweise gehacktes Fleisch in jedweder Art und Wurst zukommen zu lassen.
Bei Säuglingen, bei denen im ersten Lebensjahr die Ernährung überwiegend aus Milchprodukten besteht, die sehr wenig Eisen enthalten, sollte man das Fleisch, wenn der Säugling alt genug ist, besser durch einen Mixer (Stabmixer) geben.
Bei Kindern mit Müdigkeit, Erschöpfung und Schlappheit sollte man grundsätzlich neben der Bestimmung der Eisenparameter auch eine Kontrolle des Blutdrucks durchführen. Dies gilt insbesondere auch für Kinder, die sich in einem Wachstumsschub befinden. Aber auch das wird in der Regel nicht in den Praxen gemacht. Es ist aber darauf zu achten, dass die Blutdruckmessung mit den richtigen Kindermanschetten durchgeführt wird.
Dr. med. Rolf Pillmeyer
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
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