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Anämiebehandlung beim Hausarzt
Dosierungsintervalle an die Patientenbedürfnisse anpassen
MAILAND – Die flexibel handhabbaren Dosierungsabstände der die Erythropoese stimulierenden Substanz Darbepoetin alfa stellen nach den Worten von Professor Dr. Bernard Canaud, Hôpital Lapeyronie, Montpellier, eine grosse Erleichterung für die praktische Arbeit dar. Vor allem, da bei niereninsuffizienten Patienten nicht vorhersehbar sei, welche Dosierungsintervalle zu bestimmten Zeitpunkten erforderlich sind. Flexible Dosisregimes ermöglichen, die Korrektur mit Erythropoese-stimulierenden Substanzen individuell angepasst vorzunehmen, wie auch am jüngsten Weltkongress für Nephrologie (WCN) bestätigt wurde.
Die Behandlung einer Anämie bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung wird durch eine Anzahl von Variablen erschwert, zu denen Entzündungen und Komorbiditäten zählen, einschliesslich Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Häufigkeit solcher Ereignisse, welche die Erythropoese beeinflussen und Hämoglobin-Schwankungen verursachen, hat eine Studie in Frankreich untersucht. Ihr zufolge traten 7,7 solcher Ereignisse pro Patient und Monat auf. Deshalb empfahlen die Autoren eine engmaschige Beobachtung der klinischen Ereignisse und der Hämoglobin-Werte und eine Anpassung der Erythropoietin-Behandlung an die spezifischen Bedürfnisse der Patienten.1 Ein Erythropoietin, das flexible Dosierungsintervalle erlaubt, wie zum Beispiel Darbepoetin alfa, sehen deshalb viele Nephrologen als eine günstige Möglichkeit, um den sich ändernden Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden.
„Wir können niemals voraussagen, welche Patienten wieder auf eine häufigere Gabe zurückgesetzt werden müssen, entweder vorübergehend oder permanent“, sagte Prof. Canaud. „Die beste Möglichkeit einer Erythropoietin-Behandlung ist ein flexibles Dosisregime – einmal die Woche, zweimal die Woche beziehungsweise einmal im Monat – das es dem Arzt erlaubt, die natürlichen Hämoglobin-Schwankungen rechtzeitig und bequem auszugleichen.“
Entsprechend behandelt er seine Patienten bereits seit geraumer Zeit mit individuellen, zumeist verlängerten Intervallen. Seiner Erfahrung nach könne je nach Hämoglobinwert das Dosierungsintervall von Darbepoetin alfa angepasst werden, im Einzelfall auf bis zu vierwöchige Intervalle, ohne negative Auswirkungen auf das Hämoglobin, und das auch bei älteren Patienten.
Die Notwendigkeit flexibler Dosierungsintervalle bei Dialyse-Patienten hat die ALTERNATE-Analyse2 demonstriert. Nach einer Änderung auf das verlängerte zweiwöchige Therapieschema wurden zu verschiedenen Zeitpunkten der Studie 23,5 % (669 von 2848) der Patienten wieder auf die wöchentliche Gabe zurückgestuft. Für viele Patienten bedeutete dies aber nur eine zeitweilige Umstellung, und nach zwölf Monaten waren es wieder 80% der Patienten, die Darbepoetin alfa alle zwei Wochen erhielten.
Eine Zwischenanalyse der EXTEND-Studie3 zeigte zudem, dass sowohl Erythropoetin-naive als auch mit Erythropoetin behandelte Prädialytiker auf Darbepoetin alfa gleich gut ansprachen und den Hämoglobin-Zielwert innerhalb von drei Wochen erreichten.
Und in der Schweiz?
Während in der Prädialyse die monatliche Anwendung von Darbepoetin alfa weltweit einheitlich zugelassen ist, ist nach den Worten von Prof. Canaud die Schweiz das einzige Land, in dem bei geeigneten Dialysepatienten die Therapie mit Darbepoetin alfa nach vorhergehender zweiwöchiger Dosierung mit einem vierwöchigen Dosisregime weitergeführt werden kann.
Um auf Nummer sicher zu gehen, beginnt Prof. Canaud die Darbepoetin alfa-Therapie mit einer wöchentlichen Dosierung und dehnt das Dosierungsintervall dann allmählich aus, bis nach etwa drei Monaten das individuell passende Dosierungsintervall gefunden ist.
Die gleiche Methode verfolgt auch Professor Dr. Rudolf Wüthrich von der Klinik für Nephrologie am UniversitätsSpital Zürich. Hier beginnt man mit einer wöchentlichen Dosierung, manchmal auch mit einer zweiwöchigen, und wenn es sich als sinnvoll erweist, erweitert man das Intervall nochmals.
Nach seinen Worten sei es sicher von Vorteil für die Patienten, die bei Hausärzten oder niedergelassenen Nephrologen behandelt werden, das Dosierungsintervall ausdehnen zu können. Eine Ausdehnung über zwei Wochen hinaus bedürfe einer individuellen Einschätzung der Patientensituation. Die Pharmakokinetik von Darbepoetin alfa jedenfalls erlaube das. Prof. Wüthrich selbst aber bevorzuge die zweiwöchige Gabe. Jedenfalls gebe es damit in der Praxis die Möglichkeit, die Dosierungsintervalle und die Therapie ganz individuell und flexibel zu gestalten.
1 Rottembourg JB et al.: Stable haemoglobin (Hb) in hemodialysis (HD) patients: forest for the trees – A 12-week pilot observational study. ERA-EDTA, Barcelona, 2007
2 McMahon L et al.: Conversion to darbepoetin alfa administered once every two weeks in haemodialysis patients. Results of the ALTERNATE study. World Congress of Nephrology, Milan, May 2009, abstract # M581
3 Claes K et al.: Efficacy of darbepoetin alfa in a population of patients with chronic kidney disease not undergoing dialysis: EXTENDed dosing intervals (Q2W of QM) in patients on previous erythropoiesis-stimulating agents (ESA) and patients with no previous ESA treatment. World Congress of Nephrology, Milan, May 2009, abstract # M299
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