Medical Tribune AG



Samstag, 04.02.2012     Medical Tribune Group





Raucherentwöhnung aktuell


Immer bessere Chancen für erfolgreichen Rauchstopp

Sei es der immer bessere Schutz der Nichtraucher, sei es das neue Medikament Vareniclin, das die Entwöhnung erleichtert oder seien es immer mehr sensibilisierte Ärzte – die Chancen für Raucher, den Absprung tatsächlich zu schaffen, werden immer besser. Vor diesem Hintergrund haben wir in unserem Webcast, den wir mit freundlicher Unterstützung von Pfizer AG realisieren konnten, einiges zusammen getragen, um Sie bei der Begleitung Ihrer Patienten zu unterstützen. Dabei finden Sie

  • Daten, die zeigen, dass Raucher Ihre ärztliche Unterstützung brauchen,

  • einen Roundtable, an dem Professor Dr. Michael Tamm und Dr. Daiana Stolz aus Basel sowie Dr. Jean-Pierre Zellweger aus Lausanne, verraten, wie sie bei der Raucherentwöhnung vorgehen,

  • ein Interview mit Professor Dr. Karl Fagerström, Schweden, über neue Entwicklungen beim Rauchstopp,

  • ein Interview mit Dr. Karl Klingler, Zürich, über erfolgreiche Raucherentwöhnung beim Hausarzt,

  • Informationen zur neuen Substanz Vareniclin und ihren Erfolgschancen,

  • sowie Näheres zum LifeRewards-Programm, das Raucher bei der Entwöhnung unterstützen möchte.

Raucher brauchen bei der Entwöhnung Rat und Hilfe von ihrem Arzt

Die Mehrheit der Schweizer Allgemeinärzte, Praktiker und Internisten glaubt, dass das Rauchen das gesundheitsschädlichste Verhalten ihrer Patienten sei. Dennoch bieten die meisten von ihnen keine aktive Hilfe bei der Raucherentwöhnung an.

Die STOP-(Smoking: The Opinion of Physicians) Umfrage ist eine der grössten globalen Umfragen unter Hausärzten zu ihrer Einstellung zum Rauchen und zur Raucherentwöhnung.

Insgesamt wurden 2'836 Allgemeinärzte, Praktiker und Internisten aus 16 Ländern befragt, allein in der Schweiz waren es 203. Insgesamt war die Mehrzahl der Schweizer Ärzte der Ansicht, Rauchen sei im Vergleich zu ungesunder Ernährung, Alkoholkonsum, Übergewicht oder zu wenig Bewegung das gesundheitsschädlichste Verhalten überhaupt. Hier ergab sich jedoch ein signifikanter Unterschied zwischen Nichtrauchern und Rauchern: Von den nicht rauchenden Ärzten waren 81 % dieser Meinung, von den Rauchern nur 52 %.

Obwohl sich die Ärzte über die Schädlichkeit des Rauchens bewusst sind, gaben 40 % aller Befragten an, nicht die Zeit zu haben, ihre Patienten aktiv beim Rauchstopp zu unterstützen. Weitere 30 % fühlen sich nicht hinreichend geschult, um ihren rauchenden Patienten die nötige Hilfe anbieten zu können. Die überwiegende Mehrheit ist der Ansicht, eine Raucherentwöhnung sei schwieriger als die Behandlung von Bluthochdruck oder zu hohen Cholesterinwerten – ähnlich schwierig wie die Behandlung von Übergewicht.

63 % der Ärzte sehen in dem Raucher selbst den Hauptverantwortlichen für den Tabakstopp. „Diese Umfrage zeigt die Schwierigkeiten im Praxisalltag der Hausärzte, wenn es um die Unterstützung der Patienten bei der Raucherentwöhnung geht“, erklärte der Raucherentwöhnungsexperte Professor Dr. Robert West, Cancer Research, London. Es sei jedoch entscheidend, dass Raucher beim Ausstieg praktische Hilfe und Rat von ihrem Arzt erhalten.



Video vom Roundtable
mit Professor Dr. Michael Tamm, Dr. Daiana Stolz, und Dr. Jean-Pierre Zellweger

Bitte klicken Sie zum Starten auf das Bild "Raucherentwöhnung – Experten diskutieren die Strategien".

Mit der Unterstützung von Vareniclin ist eine Erfolgsrate nach einem Jahr von 20 % möglich, ohne diese medikamentöse Unterstützung bleiben nur 1 bis 2 % der Patienten nach einem Jahr erfolgreiche Nichtraucher. Die Hauptaufgabe des Hausarztes ist es, Patienten zu motivieren, mit dem Rauchen aufzuhören. Spezialisten wie Dr. Zellweger können sehr grosse Erfolge aufweisen, allerdings sind die Patienten in seiner Praxis zum Teil vorselektioniert. Das ist in Ihrer Praxis nicht der Fall. Deshalb lassen Sie sich durch Rückfälle nicht entmutigen, rät der Experte.

INTERVIEW mit Dr. Karl Klingler, Lungenzentrum Hirslanden, Zürich

Erfolgreiche Raucherentwöhnung beim Hausarzt

Wie können Hausärzte ihren Patienten bei der Raucherentwöhnung helfen?
Dr. Karl Klingler
Dr. Karl Klingler
Dr. Klingler: Der Hausarzt spielt eine zentrale Rolle. Da Raucher einen schlechteren Gesundheitszustand aufweisen als Nichtraucher, suchen etwa 80 % der Schweizer Raucher mindestens einmal pro Jahr den Hausarzt auf. Und von den 2 Millionen Rauchern möchte die Hälfte vom Laster loskommen. Der Hausarzt muss also das Thema nur anschneiden. Seit die Tabakabhängigkeit auch in den ICD-10-Codes als Diagnose erfasst ist, und die Beratung abgerechnet werden kann, eröffnet sich ein enormes Betätigungsfeld. Von der Lungenliga werden Ärzte-Kurse angeboten, die das erforderliche Know-how vermitteln. Studien haben gezeigt, dass die ärztlich geführte Raucherentwöhnung die höchste Erfolgsquote aufweist.

Was sehen Sie als grössten Hemmschuh beim Erreichen dieses Ziels?
Dr. Klingler: Aus meiner Sicht wird der grösste Hemmschuh in der Schweiz demnächst beseitigt, indem die Verordnung zum Passivraucherschutz in Kraft treten wird. Endlich wird nicht mehr die Freiheit des Rauchers geschützt, sondern dem Nichtraucher das Recht auf rauchfreie Luft zugestanden. Künftig ist jeder Arbeitsplatz in der Schweiz, im Restaurant ebenso wie im Büro, rauchfrei. In den fünf Ländern, die das bereits umgesetzt haben, ging die Raucherquote in nur zwei Jahren um fast 25 % zurück.

Welche Bedeutung haben bei der Raucherentwöhnung medikamentöse Hilfestellungen wie Vareniclin?
Dr. Klingler: Es ist ein weiterer Mosaikstein, der das Spektrum unserer therapeutischen Möglichkeiten erweitert. Bei Vareniclin handelt es sich um die momentan wirksamste Substanz zur Raucherentwöhnung. Ich habe bisher etwa 200 Patienten damit behandelt, wobei mir auffiel, dass diejenigen unter Übelkeit leiden, die während der Entwöhnung rauchen. Die Patienten haben diesen Effekt positiv wahrgenommen, im Sinne einer verbesserten Compliance.

Weitere Informationen zur Rauchstoppberatung

Mehr zum Ärztefortbildungsprogramm zur Rauchstoppberatung finden Sie online unter www.frei-von-tabak.ch. Neben Kursterminen stehen dort Materialien zum Dowload bereit, Kalkulatoren sowie Tests zur Einschätzung der Nikotinentabhängigkeit, Patientenbroschüren und eine Linksammlung.


Die Entwicklung von Vareniclin

Seit seiner Markteinführung hat das neue Rauchentwöhnungsmedikament Champix® hohe Wellen geschlagen. Doch wer steckt eigentlich hinter der Entwicklung dieses für viele hoffnungsvollen Präparates, wie wurde es entwickelt und wie wird es promotet?

Dr. Jotham W. Coe, Forscher an der Neuroscience-Abteilung von Pfizer, hat massgeblich zur Entwicklung von Champix (Wirksoff Vareniclin) beigetragen, auch wenn er ganz bescheiden stets betont, er habe lediglich in einem Team von Wissenschaftern Vareniclin entwickelt.
Dr. Coe in seinem Labor
Dr. Coe in seinem Labor
"Jeder Raucher kann ein Nichtraucher werden", so Dr. Coe, der aus Boston stammt und seinen Doktorhut am Massachusetts Institute in Chemie erlangte. Bereits 1995 schloss er sich einem Team von Wissenschaftern bei Pfizer an, die versuchten, das körpereigene Dopamin, dass eine Schlüsselrolle bei der Sucht spielt, zu synthetisieren und gleichzeitig steuern zu können.

Seit 1997 tüftelte er dann ausschliesslich an einer neuen biochemischen Verbindung, die Rauchern das Aufhören ermöglichen sollte, einem Nikotinersatz sozusagen. Am Ende der Versuchsreihen stand dann Vareniclin, ein Wirkstoff, dem Studien eindeutig bescheinigen, dass es die Chancen eines Rauchers vervierfacht, von der Nikotinsucht wegzukommen und auch die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall in den besonders gefährlichen ersten sechs Monaten nach dem Aufgeben stark senkt.

Seit der Markteinführung in den USA im vergangenen Jahr reist Dr. Coe durch die Welt, um das neue Mittel zu präsentieren, und er spricht auch darüber, wie Vareniclin entstand und was ihn bei der Entwicklung hauptsächlich antrieb. Es gab zwei Gründe: Erstens war er selbst Raucher und weiss, wie unglaublich schwierig es ist, von dieser Sucht loszukommen. Untersuchungen zeigen, dass eine Nikotinabhängigkeit durchaus mit der von Heroin vergleichbar, wenn nicht gar schlimmer ist.

Zweitens musste er mit ansehen, wie sein Vater, der lebenslang ein starker Raucher war und davon nie loskam, im Alter von 69 Jahren an einem Lungenemphysem starb. Verständlich, dass solche Erfahrungen ihn antreiben, wenn er durch die ganze Welt reist und auch wie jüngst nach Europa kommt, um Champix zu erklären und vor allem, was dahinter steckt.

„Es gibt aber keine magische Anti-Raucher-Pille, auch Champix ist das nicht“, so der Forscher. „Aber es unterstützt ungemein bei dem Versuch, mit dem Rauchen endlich Schluss zu machen, und zwar dauerhaft.“ Im gleichen Atemzug fügt er hinzu, dass Champix allein nicht reicht, mit dem Rauchen erfolgreich und dauerhaft aufzuhören. Der feste Wille, ein Nichtraucher werden zu wollen, gehöre unabdingbar dazu, wird er nicht müde zu betonen.

Und diese Bereitschaft, für immer von dieser Sucht wegzukommen, hat laut einer aktuellen Umfrage fast jeder zweite Raucher. Schliesslich gibt es ja auch genügend Gründe, die gegen das Rauchen sprechen. Angefangen bei einer enorm verkürzten Lebenserwartung über die gesundheitlichen Einschränkungen bis hin zu den doch mittlerweile hohen finanziellen Belastungen, denen sich ein Raucher tagtäglich ausgesetzt ist. Vorbei die Zeiten auch in den USA, in denen man für 1 Dollar ein Päckchen Zigaretten bekam.

Und auch der öffentliche Druck, mit dem Rauchen aufzuhören, nimmt just in den letzten Jahren enorm zu, Raucher werden vielerorts geradezu geächtet, oft zurecht. Rauchen in öffentlichen Gebäuden, Restaurants und Zügen oder Flugzeugen ist mittlerweile fast überall verboten. Auch da waren die USA Vorreiter. Und alle diese Gründe baut Dr. Coe überzeugend in seine Antiraucherkampagne mit ein.

Dr. Coe hat auch an der Entwicklung von Therapeutika für Depression und Schizophrenie mitgearbeitet sowie lange Zeit in der Onkologieabteilung von Pfizer geforscht. Insgesamt hat er für das Unternehmen mehr als 25 Patente in diesen Bereichen erhalten.


Vareniclin verdoppelt die Abstinenzraten

Im Dezember 2006 wurde Vareniclin (Champix®) zur medikamentösen Unterstützung der Raucherentwöhnung in der Schweiz zugelassen und ist seit Mitte Februar 2007 verfügbar. In mehreren Studien konnte der selektive partielle Acetylcholinrezeptor-Agonist unter Beweis stellen, dass Patienten, die damit behandelt werden, im Vergleich zu Plazebo mehr als doppelt so hohe Abstinenzraten erzielen.

Allein in Europa sterben jährlich über 1,2 Millionen Menschen an tabakassoziierten Krankheiten. Obwohl die Mehrzahl der aktiven Raucher aufhören möchte, ist die langfristige Erfolgsrate des Nikotinentzugs enttäuschend niedrig.

Studien mit mehr als 4'000 Rauchern
Die Substanz Vareniclin wurde speziell für den Rauchausstieg entwickelt und enthält kein Nikotin. Sie bindet hoch spezifisch als partieller Agonist an den neuronalen nikotinergen Acetylcholin-Rezeptor. Durch den partiellen Agonismus besitzt sie einen dualen Wirkansatz: Die agonistische Komponente stimuliert – in einem geringeren Ausmass als Nikotin – den Rezeptor, sodass der Botenstoff Dopamin im Gehirn freigesetzt wird.

































Dadurch werden das Verlangen nach Nikotin und die typischen Nikotin-Entzugssymptome während der Raucherentwöhnung reduziert. Die antagonistische Wirkung blockiert den Rezeptor und schwächt das nikotinvermittelte Belohnungsgefühl ab.

Die Zulassung basiert auf einem umfangreichen klinischen Studienprogramm. Darin wurden ca. 4'000 Zigarettenraucher eingeschlossen. Alle klinischen Studien waren randomisiert, doppelblind, multizentrisch und plazebokontrolliert. Untersucht wurde die Wirksamkeit von Vareniclin im Vergleich zu Plazebo und dem in dieser Indikation häufig eingesetzten Bupropion (Zyban®). Eingeschlossen wurden jeweils gesunde Raucher (zehn oder mehr Zigaretten täglich), die über zwölf Wochen neben einer kurzen psychologischen Beratung entweder zweimal täglich 1 mg Vareniclin, Plazebo oder Bupropion erhielten. Danach wurde die Abstinenz der Probanden über 40 Wochen ohne Medikamentengabe regelmässig per Kohlenmonoxid-Messung erfasst.

Geringere Rückfallquoten
Die Studie der Arbeitsgruppe um Jorenby lief von Juni 2003 bis März 2005 und schloss insgesamt 1'027 gesunde Raucher ein.[1] Nach 12 und 24 Wochen lagen die Ausstiegsraten unter der Therapie mit Vareniclin mehr als doppelt so hoch wie unter Plazebo, sowie signifikant höher als unter Therapie mit Bupropion nach 12 Wochen (Odds ratio: 1,9 vs. Bupropion, 3,85 vs. Plazebo). Zu vergleichbaren Ergebnissen kam auch die Arbeitsgruppe um Gonzales.[2] Im Anschluss an die Behandlungsphase wurde die Abstinenz der Probanden über 40 Wochen ohne weitere Therapie erfasst. Nach einem Jahr war in der Vareniclin-Gruppe immer noch ca. einer von fünf Patienten rauchfrei.

Eine weitere Studie zeigte, dass die 1-Jahres-Abstinenzraten nochmals höher sind, wenn nach einem initial erfolgreichen Rauchstopp die Einnahme von 12 auf 24 Wochen verlängert wird.[3] In den Studien wurde die Substanz gut vertragen. Die Rate von Therapieabbrüchen infolge unerwünschter Nebenwirkungen war ähnlich der von Plazebo (11,4 % vs. 9,7 % bei Plazebo).[4]

Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit, ungewöhnliches Traumverhalten, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. „Raucher brauchen beim Ausstieg unsere Hilfe”, erklärte Professor Dr. Bertrand Dautzenberg, Pneumologe und Intensivmediziner an der Klinik Pitié-Salpétrière, Paris. „Mit der Zulassung von Vareniclin steht Ärzten und Rauchern jetzt eine wirksame neue Therapieoption zur Verfügung, um sich der Herausforderung des Rauchausstiegs zu stellen.”

Fazit für die Praxis

Klinische Studien zeigten, dass nach 12 Wochen Therapie mit Vareniclin die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Rauchstopp bei Rauchern fast viermal höher war als unter Plazebo.
Die Wirksamkeit basiert auf dem dualen Wirkprinzip: Einerseits kommt es durch den partiellen Agonismus zu einer Reduktion der Entzugssymptome, andererseits wird bei einem möglichen Rückfall durch die antagonistische Komponente der von der Zigarette stimulierte Belohnungsmechanismus verhindert.
Das Medikament erleichtert Rauchern nicht nur die Entwöhnung, sondern sie erreichen auch langfristig höhere Abstinenzraten. Insofern leistet Vareniclin einen wesentlichen Beitrag bei der Bekämpfung eines der wichtigsten kardiovaskulären Risikofaktoren.



Referenzen:
[1] Jorenby DE, et al, JAMA 2006; Efficacy of varenicline, an αlfa4β2 nicotinic acetylcholine receptor partial agonist, vs placebo or sustained- release bupropion for smoking cessation: a randomized controlled trial.296: 56–63
[2] Gonzales D, et al., JAMA 2006; Varenicline, an αlfa4β2 nicotinic acetylcholine receptor partial agonist, vs sustained-release bupropion and placebo for smoking cessation: a randomized controlled trial.296: 47–55
[3] Tonstad S, et al., JAMA 2006; Effect of maintenance therapy with varenicline on smoking cessation: a randomized controlled trial.296: 64–71
[4] Fachinformation Champix, Arzneimittelkompendium der Schweiz 2007, Suppl. 2



Video zum Interview

Bitte klicken Sie zum Starten auf das Bild "Neue Entwicklungen beim Rauchstopp".

Zusammenfassung des INTERVIEWS mit Professor Dr. Karl-Olov Fagerström

Heute massgeschneidert gegen die Nikotinabhängigkeit


Professor Dr. Karl-Olov Fagerström
Professor Dr. Karl-Olov Fagerström

Medical Tribune: Welches sind aktuell die wichtigsten Entwicklungen in der Raucherentwöhnung?
Prof. Fagerström: Ich glaube, wir haben momentan ein sehr dynamisches Umfeld, in dem Pharmakonzerne neue Medikamente entwickeln, die massgeschneidert sind, um Tabakabhängigkeit zu behandeln. Aber da gibt es noch etwas anderes: Die Immuntherapie nimmt zu. Es gibt mehrere Firmen, eine davon in der Schweiz, die einen sogenannten Impfstoff entwickeln, der Antikörper gegen Nikotin herstellt. Besonders im Gehirn kann Nikotin dann seine Wirkung nicht weiter entwickeln, weil sich Nikotinmoleküle an diese Antikörper anhängen.

Medical Tribune: Eines der neuen Medikamente ist Vareniclin. Haben Sie die Substanz schon eingesetzt?
Prof. Fagerström: Ich habe an klinischen Tests teilgenommen und habe schon Erfahrung mit mindestens 100 Patienten, die Vareniclin eingenommen haben. Es ist ein gutes Beispiel für etwas Neues, das wirkungsvoller ist als das, was wir schon haben. Denn in den klinischen Studien waren sie mutig genug, es nicht nur gegen Plazebo, sondern auch gegen aktive Behandlungsformen zu testen und Vareniclin erwies sich als besser als die anderen Behandlungsmethoden, die wir zur Zeit haben.

Medical Tribune: Können Sie kurz erklären wie es wirkt?
Prof. Fagerström: Ja. Die Natur hat unser Gehirn mit Nikotinrezeptoren ausgestattet. Wir wissen schon seit 100 Jahren, dass man mit Nikotin Teile des Nervensystems stimulieren kann. Wir haben also Rezeptoren, die vom Nikotin aktiviert werden, und zwar eine Menge davon. Einige dieser Rezeptoren haben viel mit dem Spass am Rauchen zu tun und mit den Folgen, wenn man es aufgibt. Und mit diesem Hintergrundwissen, d.h. genau zu wissen welche Nikotinrezeptoren wir anpeilen müssen, wurde Vareniclin entwickelt. Deshalb hat es eine sehr behutsame Vorgehensweise.

Medical Tribune: Wie wendet man es an?
Prof. Fagerström: Eine Woche bevor man aufhören will, fängt man mit der Einnahme ein, um die Konzentration im Körper aufzubauen; die Halbwertzeit des Wirkstoffs beträgt 24 Stunden. Und dann können Sie zum Beispiel am achten Tag aufhören zu rauchen. Die Raucher sagen dann häufig: "Ich hatte keine Ahnung, dass es so leicht ist mit dem Rauchen aufzuhören. Ich habe dieses Mal fast kein Verlangen zu rauchen verspürt." Viele Raucher sagen auch bevor sie mit dem Rauchen aufhören, dass die Zigarette ihnen nicht mehr schmeckt. Folglich schränken sie das Rauchen sehr ein. Das kommt daher, dass Vareniclin ein teilweiser Agonist ist. Und das heisst, dass es bis zu einem gewissen Grad dieselbe Wirkung hat wie Nikotin. Es stimuliert das Dopamin in den kritischen Regionen, so dass sich die Raucher wohl fühlen und kaum Entzugserscheinungen haben.
Ein teilweiser Agonist agiert auch als Antagonist: Wenn man raucht, obwohl man nicht rauchen sollte, schmeckt es einem nicht. Damit ist so ein Ausrutscher kein völliger Rückfall. Es ist auch sehr ungewöhnlich, dass die Erfolgsrate von Vareniclin mit der Zeit ansteigt, das heisst manche können nicht sofort aufhören zu rauchen, sondern schaffen es erst nach einiger Zeit. Das liegt an dieser antagonistischen Wirkung, weil dieser Verstärkereffekt vom Rauchen fehlt.

Medical Tribune: Wie lange muss man es einnehmen?
Prof. Fagerström: Die empfohlene Einnahmedauer beträgt 12 Wochen, manche brauchen es länger und manche kürzer. So ist es ja mit jedem Medikament, das diese gewisse psychische Wirkung hat, wie z.B. Antidepressiva oder Schmerzmittel usw. Man behandelt so lange wie es der Patient braucht.

Medical Tribune: Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?
Prof. Fagerström: Es ist sehr einfach, das Medikament anzuwenden, weil kaum Gegenanzeigen vorliegen. Es gibt ausser bei Nierenversagen keine wirklichen Vorsichtsmassnahmen und keine wesentlichen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln.
Man muss wissen, dass etwa ein Viertel der Patienten Übelkeit verspürt. Für manche ist das so störend, dass sie das Medikament nicht einnehmen können. In diesen Fällen kann man die Dosis verringern, die halbe empfohlene Dosis ist immer noch wirkungsvoll.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Professor Fagerström.


Das LifeREWARDS-Programm

BASEL - LifeREWARDS ist ein 16-wöchiges personalisiertes Programm, das Raucher dabei unterstützt, mit dem Rauchen aufzuhören. Es wurde von einer Gruppe von Ärzten und Verhaltensexperten als Ergänzung zu Vareniclin (Champix®) entwickelt und steht Patienten kostenlos zur Verfügung.

Das LifeREWARDS™-Programm möchte Raucher während der Rauchentwöhnungsphase unterstützen, beraten und informieren. Auf einer persönlichen Webseite werden täglich informative Artikel aufgeschaltet, Aktivitäten empfohlen und in Übersichtsgrafiken Fortschritte festgehalten. Der Teilnehmer wird täglich gefragt, ob er geraucht hat, ob er Vareniclin so eingenommen hat, wie es der Arzt verordnet hat, und ob er das Bedürfnis hatte zu rauchen.

Fortschritte bei der Entwöhnung werden gesammelt, anhand derer der Teilnehmer persönlich auf ihn abgestimmte Informationen erhält. Man kann auch eine Reihe zusätzlicher Unterstützungsmassnahmen in Form von E-Mails oder SMS-Mitteilungen erhalten.

Das LifeREWARDS-Programm dauert 16 Wochen. Bereits in der Woche vor dem gewählten Rauchstoppdatum erhält der Teilnehmer vorbereitende Unterstützung. Während dieser 7 Tage muss man seine Rauchgewohnheiten noch nicht umstellen. Diese erste Woche hat zwei Ziele: Erstens soll sich die Wirkung von Vareniclin im Körper aufbauen. Zweitens nimmt man an verschiedenen Aktivitäten teil, die auf das Rauchstoppdatum vorbereiten. Danach folgen 11 Wochen Entwöhnungsunterstützung und anschliessend 4 Wochen als Follow-up.

Nach den ersten sechs Wochen wird der Kontakt reduziert. Selbstverständlich können die Teilnehmer den Kontakt auch jederzeit selbst verringern oder die Teilnahme am Programm beenden.

LifeREWARDS wurde speziell für Internetnutzer entwickelt. Damit man alle Vorteile des Programms optimal nutzen kann, benötigt man einen regelmässigen Internetzugang und ein Mobiltelefon. Es ist jedoch keine Grundvoraussetzung, an dem Programm online teilzunehmen. Für Teilnehmer, die keinen Zugriff auf einen Computer haben, wurde eine Papierversion des Programmes entwickelt, die man unter der Schweizer Telefonnummer 043 495 77 77 anfordern kann.

Das LifeREWARDS-Programm wurde von Pfizer entwickelt, um Raucher, die in der Schweiz wohnhaft sind und das Rauchen aufgeben möchten, zu unterstützen. Die Internetadresse lautet www. liferewards.ch, teilnehmen kann jeder, der sich mit Vareniclin das Rauchen abgewöhnen möchte. Gefragt ist lediglich die Lot-Nr., die sich auf der eigenen Champix-Packung befindet. Wir wünschen viel Erfolg!













































Referenzen:

4. Tonstad S et al., Effect of maintenance therapy with varenicline on smokingcessation. A randomized controlled trial. JAMA 2006; 296(1):64-71.
5. Champix Fachinformation, Arzneimittel-Kompendium der Schweiz, Suppl. 2, 2007.


Gekürzte Fachinformation Champix® (Vareniclin)

Indikation: Raucherentwöhnung bei Erwachsenen.
Dosierung: Tage 1-3: 1x täglich 0,5 mg.
Tage 4-7: 2x täglich 0,5 mg.
Ab Tag 8: 2x täglich 1 mg.
Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegenüber einem der Inhaltsstoffe. Vorsichtsmassnahmen: Raucherentwöhnung mit oder ohne Arzneimitteltherapie kann die Pharmakokinetik oder -dynamik einiger Arzneimittel (z.B. Theophyllin, Acenocoumarol, Phenprocoumon und Insulin) beeinflussen, zu einer Erhöhung der Plasmakonzentrationen von CYP1A2-Substraten führen und psychiatrische Grunderkrankungen verschlechtern. Erfahrungen mit Epilepsie-Patienten liegen nicht vor. Eine Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen. Interaktionen: Basierend auf den klin. Erfahrungen sind für Vareniclin keine klin. bedeutsamen Interaktionen bekannt. Bei schwerer Einschränkung der Nierenfunktion sollte Champix nicht gleichzeitig mit Cimetidin verabreicht werden. Die gleichzeitige Anwendung mit einer Nikotinersatztherapie (transdermal) führte zu Blutdruckabnahme.
Häufigste unerwünschte Wirkungen: Abnormale Träume, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Nausea. Packungen: Champix Initialpackung: 11 Filmtabletten zu 0,5 mg und 14 Filmtabletten zu 1 mg; Champix 0,5 mg: 56 Filmtabletten; Champix 1 mg: 28 und 56 Filmtabletten. Verkaufskategorie B. Zulassungsinhaberin: Pfizer AG, Zürich. Weitere Angaben siehe Arzneimittel-Kompendium der Schweiz. LPD 04DEC06





 
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